Schema B

Schema B

„Koennen Sie Quadfahren?“ Die Frage des glatzkoepfigen Mitarbeiters eines Quadverleihs klingt ebenso freundlich wie bestimmt. „Keine Ahnung. Ich werde es Ihnen heute Nachmittag sagen koennen“ antworte ich ebenso freundlich – aber nicht ganz so bestimmt. Er lacht kurz auf. „OK, Sie kriegen das hin.“ Nach der nun folgenden knapp 15 sekuendigen Einweisung sitze ich auf diesem bulligen Motorrad mit 4 Raedern, einer Monsterfederung und einem ebensolchen Geraeuschpegel und fahre los.

Der Plan: mit Beate stundenlang ueber die schier endlosen Duenen und den nicht enden wollenden Sandstrand zu brettern. Und vielleicht eine oder zwei nette Stellen finden und Beate dazu zu bringen, das Quad selber zu steuern.

Beate ist in diesen Angelegenheiten eher der sehr vorsichtige Typ. Ich eigentlich auch, aber kneifen geht nicht. Vor Jahren habe ich mal in einem Buch eines Sterbebegleiters gelesen, dass die Menschen in ihren letzten Stunden nicht das bereuen, was sie riskiert, sondern das was sie nicht riskiert haben. Ich will also da nicht eines hoffentlich fernen Tages rumliegen und von mir selber denken, eine feige Ratte gewesen zu sein.

Das Quad (oder heisst es der Quad? Egal) laesst sich zunaechst schwer lenken. Der Kraftaufwand ist wesentlich groesser als bei jedem Auto oder Motorrad. Nach ein paar vorsichtigen Anfangsminuten hole ich Beate in unserer Herberge ab und los geht’s.

Sie hinten drauf und ich erst mal immer brav die Strasse entlang. Dann ab auf die erste Piste. Die erste Duene mit gut 20 m hoehe winkt, ich will da hoch, Beate steigt ab. Jetzt beginnt das Spiel, dass ich „Schema B“ (B fuer Beate) nenne. Beate langsam die Angst nehmen.

Schritt 1 selber vormachen: also locker die Duene hoch. Ist tatsaechlich viel einfacher, als es zunaechst scheinen mag, Hauptsache man faehrt gerade hoch.

Schritt 2 erstes gutes Zureden: nach ein paar aufmunternden Worten setzt sich Beate mit hinten drauf und es geht noch mal hoch die Duene. Sie findet etwas Gefallen an der Sache.

Schritt 3 Beate ist dran: etwas spaeter suchen wir uns eine sandige Ebene, auf der Beate das Quad alleine fahren kann. Sie dreht ein paar Runden und findet noch mehr Gefallen an der Sache.

In der Folge brettern wir ueber unzaehlige Duenen immer am tuerkisfarbenen Meer entlang.

Schritt 4 Beate will: irgendwann fasst sie genuegend Mut und will selber richtig ueber den Strand brettern. Also, sie nach vorne, ich nach hinten. Sie drueckt den Gashahn durch und ab geht’s.

Das Beste an solchen Aktionen: ihr Laecheln hinterher. Bei der Rueckgabe des Quads an den glatzkoefigen Mitarbeiter denke ich noch kurz: klar habe ich das hinbekommen – und Beate auch :-).

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