Fast am Ende der Welt

Fast am Ende der Welt

Der untenstehende Text ist am Montag entstanden. Erst heute (Donnerstag) haben wir wieder Internet :-)

Frueh aufstehen. Mit einer ausgemusterten norwegischen Faehre rueber
von São Vicente zur Nachbarinsel Santo Antao. Am Key wartet die Meute der Taxifahrer auf uns. Laengere Verhandlungen. Dann ein Pick-Up in die Oase Tarrafal im Sued-Westen der Insel. Der Fahrer ein 2 m Schlacks im Brasilien-Trikot und mit der obligatorischen, abgewetzten Baseball-Kappe. Unsere Mitreisenden, 2 junge Frauen mit ihren beiden Babys.

Dann Serpentinen hoch auf ueber 1.500 m. Spekakulaer steile und
schroffe Lava- und Basaltwaende, unterbrochen von Canyons. Nur 1 Auto kommt uns entgegen, dazu noch eine Handvoll Menschen und dutzende Ziegen. Schliesslich alles wieder ueber einen sehr holprigen Weg runter. Beate wird schwindelig.

Unsere Unterkunft (http://www.martranquilidade.com): Waende aus massiven Lavasteinen, Strohdach, Moskitonetz. Strom von 11-13 und 18 bis 23 Uhr. Der ideale Ort fuer ein Meditations- oder Schweigeseminar. Wir sind die einzigen Gaeste. Auf dem kleinen Holztisch ein mehrseitiges Pamphlet. Diverse Hinweise, wie Gaeste sich oekologisch korrekt hier zu verhalten haben. Die Verwendung von Insektensprays wird bestraft. Bei Zuwiderhandlung droht der Rausschmiss. Immerhin, kein Hinweis darauf, dass man(n) im Sitzen pinkeln soll. Und: der Innenhof mit seinen
Bambusstauden und Bananenbaeumen koennte kaum malerischer sein.

Spaziergang durch das 500 Seelendorf (inkl. Huehnern und Schweinen). Ein kleiner Laden. Maenner die Karten spielen. Maenner, die ihrem Transistorradio lauschen. Brot- und Mangobaeume. Internet ab 18 Uhr beim Dorfschullehrer. Telefoneinwahl mit 28k, absolut sinnlos.

Runter an den Lavastrand. Schwarz-grau und feinsandig, dazwischen viele Lavabrocken. Abkuehlung im Meer. Weisse Wellen brechen ueber den schwarzen Sand.

Gegen 18 Uhr erfahren wir vom Pensionspersonal, Bin Laden sei tot. Fassungslose Ueberraschung bei Beate und mir. Jetzt kann er seine 72 Jungfrauen im Paradies begluecken – wurde auch Zeit. Aber hey, wer will schon 72 Jungfrauen? Erinnerungen kommen hoch: New York Reise mit Ground Zero ein 1/2 Jahr nach 9/11. Die Aufenthalte in Afghanistan.

Zum Abschluss, stimmungsvoller Sonnenuntergang im Meer begleitet von einem Sundowner mit in paar Vitaminen und sehr viel Alkohol.

2 Replies to “Fast am Ende der Welt”

  1. Das war im Reisefuehrer total euphorisch beschrieben – dann wollte Joerg da hin *g. Das mit dem Strom wussten wir auch. Da haben wir schon schlimmeres erlebt. Obwohl war nicht schlimm das mit dem Strom. Der Ort ist halt so abgeschieden, dass der Strom rar ist – und deshalb eingeteilt wird. Idylle hat also nicht immer Strom und Internet – versteh ich meistens auch nicht so ganz…

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