Tourifreie Zone und Shopping-Hoehlen

Tourifreie Zone und Shopping-Hoehlen

Sonntag, die Sonne strahlt vom Himmel, der Wind weht angenehm, wir haben keine Plaene fuer den Tag, ausser ein wenig zu baden. Vorwiegend wahrscheinlich im Pool unseres Hotels namens Santao Art Resort. Und aller Wahrscheinlichkeit nach haben wir den Pool praktisch fuer uns alleine, da ausser uns … ihr wisst schon … keiner hier.

Eine rudimentaereres Touristenaufkommen habe ich nur bei meinem ersten Aufenthalt in Kambodscha in den 90ern erlebt – und da herrschte Buergerkrieg! Na ja, und halt in Afghanistan. Also, warum ist hier fast niemand? Kein Buergerkrieg hier, tolles Wetter, ein ueberaus angenehmes Klima, teilweise grossartige Landschaften und Straende sowie „Strassen“, die jeden Offroad-Entusiasten in Ekstase versetzen wird. Ok, das mit den „Strassen“ ist vielleicht nicht wirklich ein Pluspunkt.

Wir besprechen das Thema „Tourifreie Zone“ beim Fruehstueck. Etwas schwarzes, faustgrosses huscht in diesem Moment ueber den Fussboden unseres 4-Sterne-Hotels. Prima, wir sind also doch nicht die einzigen hier. Darauf erst mal einen kraeftigen Schluck Kaffee, der stilecht in einem Wasserkocher zubereitet wird. So bleibt er auch immer schoen heiss. Ueberhaupt die Restaurants: wir koennen jeden Abend das Spiel „welches-1/3-der-auf-der-Karte angebotenen-Speisen-ist-heute-leider-aus“ spielen. Allerdings … Fisch ist in der Regel wirklich klasse zubereitet!

Also weiter, was faellt uns sonst noch ein? Das Trinkwasser in einem Dorf hier auf Santo Antao sorgt wohl fuer blendend braun-gelbe Zaehne. Muss man aber ja nicht unbedingt zu sich nehmen. Beate vermisst Gelegenheiten zum Shoppen. Dabei werden mindestens die Haelfte der Laeden hier auch von Auslaendern gefuehrt. Genauer, von Chinesen. Noch genauer, von Chinesen, die in ihren Shops gerne vor einem kleinen TV-Geraet hocken und dabei chinesische Soaps gucken. Wie die Chinesen hierhin gekommen sind? Im Zuge diverser chinesischer Entwicklungshilfeprojekte sind sie auf den Kapverden haengengeblieben.

Ihre Laeden zeichnen sich durch einen bemerkenswerten Mangel an Licht aus. Ich stelle mir beim Eintritt immer vor, als Forscher in eine dunkle Hoehle zu steigen. Was meine der Dunkelheit noch nicht angepassten Augen da zu erkennen glauben, deckt den hiesigen Haushaltsbedarf und reicht von Kochtoepfen ueber Flipflops, Shirts, Getraenken bis hin zu Batman-Spielzeug. Und fuer den verirrten Hoehlenforscher liegen hier und da auch Taschenlampen in der Auslage bereit. Alles in einer Hoehle … ups … Shop natuerlich. Hier und da scheint auch noch etwas lebendiges durch die Laeden zu schlurfen. Eine Verkaeuferin vielleicht? So weit sind meine Studien noch nicht fortgeschritten. Das alles ist also fuer den gemeinen Hoehlenforscher ueberaus spannend – aber wohl auch nur fuer diesen.

Tja und sonst? Gut, Flug- und Faehrplaene sind eher als dezenter Hinweis darauf zu verstehen, dass wahrscheinlich im Laufe des Tages eine Transportmoeglichkeit besteht. Aber das kennt man ja auch von der guten deutschen Bahn.

Bleibt nur noch die Vermutung, dass 1. keine Hochsaison ist und/oder 2. die Kapverden zu sehr am Arsch der (Touri)Welt liegen, als dass sich irgendwer tatsaechlich dafuer interessiert. Ich fuerchte, wir werden diese exklusive Ruhe irgendwann einmal sehr vermissen.

2 Replies to “Tourifreie Zone und Shopping-Hoehlen”

  1. Hallo Ute,

    Beate will nicht wirklich wissen, was das faustgroße, dunkle Ding gewesen ist :-)

    Liebe Gruesse,
    Joerg

  2. Hej, jetzt muss ich doch mal was antworten, oder ist das nicht üblich??
    Erstens: gewöhnt euch besser wieder an die Brauntöne der Natur, wir werden uns hier bald mangels Regen auch grüne Vorhänge kaufen müssen, um diese Farbe sehen zu dürfen.
    Zweitens: gestern stand im Reiseteil unserer Zeitung, dass TUIfly ab sofort einmal wöchentlich von Stuttgart direkt auf die Kapverden fliegt, ihr werdet also vielleicht bald Gesellschaft kriegen.
    Drittens: mich interessiert, was das faustgroße, dunkle Ding ist, ich kann ungeklärte Fragen nicht aushalten, frag Beate!

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