Im Fantasy-Land

Im Fantasy-Land

„Warum haben Sie Teresinia nicht auch Ihren Rucksack tragen lassen? Sie wird dafür bezahlt!“ Dabei wendet die resolute belgische Besitzerin unserer neuen Pension ihren vorwurfsvollen Blick von mir hinüber zu der zierlichen alten Frau. Diese zierliche alte Frau hatte gerade Beates Koffer auf dem Kopf balancierend rund 20 Minuten einen steilen Pfad hoch zur Pension Casa des Ilhas getragen. Hätte sie nicht ständig auf uns warten müssen, wäre sie wohl auch locker in max. 10 Minuten oben gewesen. Ob dieser etwas ungewöhnlichen Begrüßung durch die Belgierin bringe ich nur ein undeutliches „äh…“ über meine Lippen. Das reicht ihr als Antwort und ihr vorwurfsvoller Gesichtsausdruck weicht augenblicklich einem warmen Lächeln.

Wir haben unser Ressort Hotel verlassen und wollen für ein paar Tage die Rebeira do Paúl erkunden. Eine enge, sich vom Meer aus öffnende, mehrere Km lange U-förmige Schlucht, deren Wände spektakulär steil fast 1 Km hoch moosüberwachsen in den Himmel ragen.

Wo immer möglich, haben Menschen diese Hänge mit Terassen kultiviert, auf denen Bananen, Zuckerrohr, Gemüse, Kaffee sowie Mangos und Papajas angebaut werden. Da sich in dieser Schlucht häufig die Wolken vom Meer kommend verfangen, herrscht hier ein relativer Überfluss an Wasser. Ein kleines Paradies in einem Land, in dem es teilweise noch weniger regnet als etwa in Dubai.

Die Schlucht erscheint uns in den folgenden Tagen immer wieder fast mystisch wie in einem Fantasy-Roman. Hier hätte man auch für „Herr der Ringe“ drehen können. Überhaupt, warum ist eigentlich noch niemand auf die Idee gekommen, diese großartige Landschaft als Filmkulisse zu nutzen. Zurück in Deutschland werden wir auf dies Idee ein Patent anmelden oder uns die Exklusivrechte sichern. Damit sollten wir mit unseren Renten für die nächsten 2 oder 3 Leben durch sein.

Außnahmsweise sind wir übrigens in unsere Unterkunft mal nicht die einzigen Gäste. Ein Paar aus Bayern belegt das Zimmer gleich neben uns. Und einige Ringelwürmer schlängeln sich bei uns friedlich über den Fußboden.

Also, eine fantastische Landschaft, nette Mitreisende und seltsame Haustierchen – wir hatten schon wesentlich langweiligere Tage! :-) Und unsere bärenstarke Oma Terensina? Soll ich sie bei unserer Abreise hier auch noch meinen Rucksack tragen lassen? Wahrscheinlich nur bis zur ersten Kurve. Dahinter hat die belgische Pensionsbesizerin keinen Einblick mehr auf den Weg. Fall sie mir nach den ersten 5 Schritten nicht schon wieder 10 m enteilt sein sollte…

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