Spektakuläre Coca Cola

Spektakuläre Coca Cola

Endlich haben wir das grüne Herz der Insel gefunden. Das nennt man hier „Ribeira“. Ribeiras sind sehr tiefe Taleinschnitte an einem Bergmassiv – Eingang immer unten an der Küste – Ausgang nur mit Aufstieg auf den Berg ;-) Die Einschnitte bekommen vom Berg her Wasser. Zur Zeit allerdings nur wenn sich am Gipfel Wolken verfangen. Was zugegebener Weise wirklich eindrucksvoll aussieht. Aber genug – es war ein sehr sonniger Tag als wir aufbrachen vom Kraterrand (1240m) wieder zu den Casa des Ilhas abzusteigen. Wir lassen uns quer über die Insel zum Kraterrand bringen. Auf dem Weg zeigt uns der Fahrer noch einige wirklich (jetzt kommt das Wort zum ersten mal) SPEKTAKULÄRE Ausblicke. Spektakulär weil man ganz oben am steilabfallenden Rand steht und sich vor einem das Tal mit grünen Hängen und Terrassen öffnet. Ich fürchte keines der 120 Bilder die wir gemacht haben gibt diesen Eindruck wirklich wieder. Auch wenn man im Tal steht und den Blick schweifen lässt gibt’s eigentlich keine Landschaft mit der ich das vergleichen könnte.

Also gut – weil man hier wandert, wandern wir auch. Da Jörg weiß, dass er mich schwer ’nen steilen Berg hinaufkriegt, entscheiden wir gemütlich bergab zu wandern. In letzter Minute wird dann irgendwie beschlossen, dass wir gaaaaanz oben starten. Mir wird schon etwas mulmig als mir Katleen, die Wirtin hier, Wanderstöcke anbietet. nun gut. Da muss ich durch. Standspaziergang geht hier halt nicht. Das ist ja eher meins. Aber jetzt stehen wir erstmal in einem idyllischen Krater. In dem eifrig Ackerbau und Viehzucht betrieben wird. Der Taxifahrer setzt uns ohne konkrete Hinweise im Krater aus – aber erstmal gibt’s nur einen Weg. Eine Gabelung habe zunächst nur ich gesehen. Ich votiere aber erstmal dafür auf dem ursprünglichen Weg weiterzugehen. Eine Nachfrage beim entgegenkommenden Cowboy ergibt dann aber doch die andere Richtung. Es geht auf den Kraterrand. Das grummeln in der Magengegend erreicht seinen Höhepunkt als wir das erste mal über den Kraterrand schauen und sich der Weg wie eine rotbraune Schlange in die Tiefe windet. Bereichert um diese neue Dimension fällt wieder das Wort der Tage: Spektakulär! Der Abstieg beginnt. Läuft gut mit den Stöcken. Der Weg ist teilweise saumäßig steil. Auch nicht meine Disziplin. Gar nicht. Ich weiß, dass ich da irgendwie runtermuss. Ich gehe schneckenlangsam. Beiße die Zähne zusammen und stakse tapfer weiter. Nach der Hälfte etwa sagt mein Knie was ich schon lange vorher wusste: „Beate, du bist keine Bergziege“. Es geht durch Eukalyptuswäldchen, Kaffee- und Bananenplantagen, Mangobäume und Kohlterrassen. Vier Stunden, drei Wutausbrüche und fünf „ich kann nicht mehr Anfälle“ später stolpere ich auf die Dorfstraße. Mir tut alles weh. Knie, Oberschenkel, Zehen und natürlich der Kiefer vom Zähne zusammenbeißen. Jörg organisiert eine eiskalte Cola, die sogar meine Geister im Handumdrehen wieder mobilisiert. Keine Ahnung was da außer Zucker hier noch alles drin ist: aber: ja, die Wirkung ist spektakulär.

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