Die linke Hand, viel Wasser und fehlende Übung

Die linke Hand, viel Wasser und fehlende Übung

Ein wenig Orga steht an. Zugtickets für morgen (Donnerstag) nach Varanasi besorgen. Also rüber zu dem überaus freundlichen Tour-Agent gleich neben unserer Unterkunft. Es dauert eine Weile, bis sein Rechner hochfährt. Eine gute Gelegenheit die Toilette aufzusuchen. Es wird auch bei mir etwas länger dauern. Auf der Toilette erinnerte ich mich wieder. Der Inder an sich benutzt kein Klopapier. Zumal viele Leitungen vom Papier eh verstopft würden, sie sind wesentlich dünner als bei uns. Also, sehr sehr sehr viel Wasser und die linke Hand sind zum Abputzen angesagt.

Klingt furchtbar ekelhaft. Aber erstens machen es ein paar Milliarden Menschen weltweit auch nicht anderes und zweitens hat man sich so nach 10 bis 20 x halbwegs dran gewöhnt. Ist also machbar.

Mit hochgefahrenem Rechner und hoffentlich gesäubertem Hintern stellen wir fest, dass es nur noch zweite und dritte Klasse Zugtickets gibt. Dritte Klasse sind doppelt und dreifach – auch von diversen Nutztieren – besetzte Holzpritschen. Auf einer sehr kurzen Kurzstrecke überaus unterhaltsam. Habe ich leider 1x auf einer Übernachtfahrt gemacht und danach als einmalige Erfahrung verbucht. Zweite Klasse sind doppelt und dreifach – ohne diverse Nutztiere – besetzte gepolsterte Pritschen. Habe ich schon öfter gemacht. Auf einer Kurzstrecke sehr unterhaltsam. Über einen längeren Zeitraum aber nicht jedermanns Sache. Jedoch ein unbedingtes Muss für Freunde des direkten Körperkontaktes zu Fremden sowie Liebhaber des Inhalierens vieler unterschiedlicher menschlicher Gerüche. Erleichtert registriere ich, dass Beate auf diese Erfahrung nicht unbedingt besteht.

Also Plan B: mit dem Taxi gen Westen nach Varanasi. Gut 300 Km. Kosten: knapp 60 €. Ist also ebenfalls machbar. Mal abwarten, ob wir wieder einen Taxifahrer abbekommen der glaubt, in seinem letzten Leben Formel 1 Pilot gewesen zu sein.

Im Formel 1 Tempo findet dann auch eine Preisverhandlung bei einem Händler statt. Für Beate und mich möchte ich 2 Armbänder aus Sandelholzperlen erstehen.

Ich: was kosten zwei?

Händler: 500 Rupien pro Armband (1000 Rupien = 14€)

Ich: 300 für 2 Armbänder

Händler: 350 für 2

Ich: ok

 

Das ging zu schnell. Viel zu schnell. Also habe ich definitiv viel zu viel bezahlt. Das Ganze hätte einer klaren Choreographie folgen sollen: er hätte sich auf mein Angebot empört abwenden sollen, mir einen viel höheren Preis nennend, den ich wiederum laut lachend quittiert hätte. Danach Themenwechsel: Was familiäres oder Sport oder so. Auf den kurzen Frieden folgt wieder Kampf. Stehen wir uns gegenseitig neutral gegenüber, beschimpfen wir uns gegenseitig als allumfassend ahnungslos. Besteht eine gewisse gegenseitige Sympathie beschimpfen wir uns als Sohn einer Hündin oder so. Dann lächeln und in der Mitte einigen.

Unterstützend kann dann auch gerne die Ehefrau eingreifen. Voraussetzung: sie wechselt auf Knopfdruck ihre Stimmung gegenüber dem Händler von freundlich wohlwollend auf hysterisch anklagend. Das kann Beate. Aber leider saß sie gerade in einem Cafe. Wie auch immer, ich hätte einfach gleich auf 10% seines ersten Angebotes runter gehen sollen. Nicht nur auf dem Klo bin ich etwas aus der Übung.

 

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