Varanasi

Varanasi

Nach dem eher beschaulichen und dörflichen Bodhgaya sind wir jetzt wieder mitten in einer quirligen Stadt gelandet. Varanasi. Die indische Stadt, dich ich sehen wollte, seit ich von Indien weiß. Ich kann noch nicht mal genau erklären warum. Ich will weder im Ganges baden noch davon einen Tropfen trinken wie es hier der Brauch ist. Noch bin ich mir sicher wie ich es finden soll Leichen brennen zu sehen. Aber ich mag einfach Orte, die eine so klare spirituelle Bedeutung haben. Ich mag den Gedanken, sich so sicher sein zu können, dass es das richtige ist an einen Ort zu gehen und dann wird alles gut. Gut man muss dann auch noch dort sterben. Aber dann hat man alles richtig gemacht.

Nein – keinerlei Todessehnsucht zu verspüren. Bin mir auch sehr sicher, dass ich das hier gut überlebe. Hab noch nicht mal richtig gezuckt als der Fahrradrikschafahrer heute auf dem Heimweg fast einen Unfall gebaut hätte.

Nach der Fahrt hierher haben wir uns auf jeden Fall hier in diesem wirklich hübschen und noch leistbaren Hotel direkt an den Ghats mit einem Tee gestärkt. (Ich hab meinen letzten Kaffee am Flughafen in Delhi getrunken) Und dann los. Das immer milde Abendlicht für die erste Uferbegehung nutzen.

Unsere Unterkunft liegt am südlichen Ende des Flussufers. Wir schlendern also zuerst über relativ beschauliche Uferteile. Ein paar Teenie Jungs spielen Cricket. Für Fußball ist kein Platz. Und ich glaube da ist Indien auch nicht so begabt dafür. Kleinere Jungs lassen Drachen steigen. Schon wieder muss ich an den Bausparfuchs denken ;-) Je weiter wie in Richtung Zentrum des Treibens vordringen, desto mehr kleine Mädchen wollen uns kleine Blumenopfer verkaufen. Ach ja und Boote mieten kann man für sein ganzes Leben und notfalls kennt auch noch einer einen Shop in dem man Moonstones kaufen kann. Warum auch immer.

Das Licht wird immer weicher und das fotografieren macht Laune. Motive gibt es zu Hauf. Die Fülle der Eindrücke sind schwer zu beschreiben. Dann sehen wir die ersten Feuer. Eine Bahre wird vorbeigetragen. Der Körper unter der rotgoldenen Verhüllung gehört einer jungen Frau, erzählt uns ein auskunftsbereiter Einheimischer. Er weist mich auch drauf hin, dass ich das Foto, das ich automatisch schon gemacht hatte nicht machen soll. Hm.

Überall badenden und betende Männer. Es wird schmutziger. Und voller. Am Ufer liegen Reste von irgendwelchen Strohfiguren – ausgediente Hindugötter. Wasserbüffel baden am Ufer. Andere nähern sich Jörg beim Fotografieren von hinten ungefragt. Als es fast Dunkel ist kommen wir auf einem Platz an, an dem sich offensichtlich demnächst irgendetwas großartiges ereignen soll. Eine Flutlichtanlage erleuchtet 5 gelbbunt geschmückte Podeste. Wir mischen uns unter die meist indischen Zuschauermassen auf den Stufen oberhalb des Flusses. Nach einer halben Stunde beginnt die Zeremonie. Die Musik kommt jetzt aus großen Lautsprechern direkt zu unseren Füßen. Fünf Priester in bunten Kostümen agieren mit Glöckchen, Weihrauchbehältern und Muschelhörnern. Der Höhepunkt der Darbietung ist erreicht wenn die Akteure eine Pyramide aus Butterlichtern präsentieren. Die Musik und das lodernde Feuer wirken hypnotisierend. Bis mich eine Ratte streift. Die Zeremonie war für mich dann beendet.

Später im Hotel recherchieren wir, dass es sich hier um eine tägliche Veranstaltung für Touristen handelt. Trotzdem ein würdiger Abschluss für unseren ersten Ausflug in der heiligsten Stadt der Hindus.

 

 

 

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