Heilige Kühe, Geldkühe und viel Schwein

Heilige Kühe, Geldkühe und viel Schwein

„Wir sind uns damals begegnet, 100 prozentig!“ Unser Hotelinhaber gesellt sich beim Frühstück auf der Dachveranda zu uns und ich erzähle ihm, vor 21 Jahren bereits hier in der Wüstenstadt Jaisalmer im äußersten Westen Indiens gewesen zu sein. Damals arbeitete er noch als Schlepper für irgend eine miese Unterkunft und ich gehörte zu den wenigen Touris, die sich hier hin verirrten. Sobald ein Zug oder ein Bus ankam, stürzten sich ein halbes dutzend Leute wie er auf Leute wie mich.

Natürlich kein Wiedererkennen. Aber er ist sich sicher: damals wollte er mich abfangen. Heute sind wir freiwillig bei ihm. In der Zwischenzeit hat er sich zum stolzen Besitzers des schmucken Shahi Palace Hotels (http://www.shahipalacehotel.com/index.php?option=com_content&view=article&id=2&Itemid=) gemausert. Und ich reise erstmalig mit Koffer statt Rucksack. Die Zeiten ändern sich – zum Glück.

Von der Terrasse blicken wir hinüber auf das vor knapp 1.000 Jahren aus Sandstein erbaute Fort, jetzt bei Sonnenaufgang in sämtlichen Ockertönen erstrahlend. Gestern, bei Sonnenuntergang, in dunkleren, aber wärmeren Tönen, was Beate zu der – tja, äh, interessanten – Sprachschöpfung „märchig fette Kulisse “ inspirierte. Bitte wendet euch vertrauensvoll an Beate, wenn ihr 'ne Übersetzung braucht.

Noch wirkt alles friedlich ...

Gleich nach dem Frühstück machen wir uns zu einem Veranstalter für Kamel-Safaris auf, denn ab morgen wollen wir für 2 Tage, majestätisch auf Kamelen thronend, die hiesige Wüste Thar erobern. Damals habe ich das mal eine Woche lang gemacht – und dabei etwas wirklich Bedeutendes fürs Leben gelernt: wie man sich in der Wüste ohne Klopapier und Wasser den Allerwertesten abputzt, ohne sich selbigen komplett wund zu scheuern. Also, solltet ihr euch rein zufällig mal auf einer Toilette ohne Papier und Wasser, aber mit einem Sandkasten wiederfinden … ruft mich einfach an. Ich helfe gerne.

Auf dem Weg zum Kamel- Safari Veranstalter bindet mir noch ein heiliger Mann, ein Sadu, ein Glücksbändchen ums Handgelenk, murmelt irgend etwas, segnet mich. Ok, er will ein paar Cent als Gegenleistung. Aber die sind gut angelegt. Denn Glück sollte ich später am Tag noch dringend brauchen.

Wir gehen hoch ins Fort, durchstreifen seine engen, Schatten spendenden Gassen und bestaunen an vielen Sandsteingebäuden Verzierungen wie aus 1001 Nacht. Leider quatschten uns aber auch gefühlte 1001 Händler auf alles Mögliche und Unmögliche an. Es gibt in Indien immer und überall heilige Kühe. Und es gibt Geldkühe. Das sind wir. Jeder scheint uns melken zu wollen.

Vor gut 500 Jahren müssen sich im Fort entsetzliche Szenen abgespielt haben. Wenn die Männer auf dem Schlachtfeld besiegt wurden, zogen die Frauen mit ihren Kindern den Tod der Entehrung vor. Dann ließen sie in einem Innenhof einen großen Scheiterhaufen anzünden und stürzten sich hinein. Irgendwann kommt mir die Vorstellung, dass man mit dem Heer an Händlern doch genau so verfahren sollte, wenn sie auch das x-te „no“ nicht akzeptieren. Vielleicht hätte ich das nicht denken sollen. Indien rächt sich auf seine Art an unfreundlichen Geldkühen.

Wir schlendern etwas später über einen kleinen Markt. Ich schieße ein paar Bilder. Von rechts kommt langsam ein Bulle auf mich zu. Schon tausend Mal erlebt. Nix wildes. Die Viecher gehen einfach ihres Weges und kümmern sich anscheinend null um ihre Umgebung. Noch kurz zuvor habe ich mich genau vor eine Kuh gestellt. Beate schoss ein heilige Kuh vs. Geldkuh Foto.

Aber dieses Vieh ist leider anders. Ich stehe seitlich zu ihm und als es an mir vorbei geht, versucht es plötzlich mir mit seinem linken Horn meine Bauchnabel um ein paar Zentimeter zu vertiefen und zu erweitern. Ich würde jetzt gerne behauten, mein Sixpack angespannt und das Horn so einfach an mir habe abprallen lassen. Tatsache ist 1., ich habe kein Sixpack und 2. dafür aber wohl einiges an Schwein. Irgendwie schrammt das Horn zwar über aber nicht in meinen Bauch.

Vielleicht ist es aber auch so ein Karma Ding. Als großer Freund eines saftigen Rindersteaks sind wir uns vielleicht schon mal in einem anderen Leben begegnet. Das Vieh auf dem Grill und ich davor oder so. Wer weiß das schon.

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