Über allen Dünen ist Ruh‘

Über allen Dünen ist Ruh‘

Knatschblauer Himmel über horizontfüllendem ockerfarbenem Fort. Das war mein erster Eindruck von der Aussicht auf der Dachterrasse unseres Hotels.

Mittlerweile ist ein Tag vergangen. wir sitzen wieder hier. Haben uns wieder angeschaut wie der Himmel immer dunkler wird und die Festung im Dunkeln versinkt.

Aber das war gestern. Heute findet endlich der Trip in die Wüste statt. Ein wenig Respekt und Bauchgrummeln hatte ich ja schon. Bin zwar von klein auf das Campen gewohnt, aber mit Reiten hatte ich es noch nie. Und mit Kamelen auch nicht. Die sind verdammt langbeinig und Schaukeln schwer. Dazu noch die Erzählungen von Herrn Schmitz und ich musste extra nochmal auf Toilette.

Beim Veranstalter angekommen erfahren wir, dass wir noch 5 weitere Personen sein werden. Wir führen die Altershitparade locker an. Ein britisches Pärchen und 3 französische Austauschstudenten. Wir grübeln bis zum Schluss welcher der Jungs das Mädel abkriegen wird. Erstmal werden wir im Jeep aus der Stadt gekarrt. Das erste woher und wohin wird geklärt. Nette, lockere Truppe. Nicht unwichtig für so eine Unternehmung. Dann lernen wir unsere Kamele kennen. Jörgs Kamel heißt Magoo. Ich bin ein wenig neidisch und nehme mit Unterstützung auf Messut Platz. Dem stärksten und verfressensten Dromedar. Ich nenne es später liebevoll Snackamel, weil es später immer wieder am Wegesrand irgendetwas mäßig leckeres zum knabbern und verweilen findet. Nachdem ich das Aufstehen von Messut überstanden habe, erinnern mich die ersten Schritte sehr an meine Erlebnisse mit Ponys in frühester Jugend. Nur Papa holt mich nicht runter, weil ich Angst habe runterzukippen. Nachdem mir die Jungs dann noch die Steigbügelimprovisation gezeigt haben wird auch alles gleich viel besser. Und ich gewöhne mich sogar an das gemächliche Schaukeln. Wir schauen uns auf dem Weg zu unserem Nachtlager noch ein kleines Dorf an. Kinder und schwangere Frauen sind Zuhause. Der Rest scheint unterwegs zu sein. Die Kinder können Wörter wie „chocolate“ und „pen“. Und vor allem „Foto“. Das lassen wir uns dann nicht zweimal sagen. Das mit dem Foto natürlich.

Am Lager auf einer Sanddüne angekommen beginnen die uns begleitenden Jungs mit dem Abladen der Kamele und kochen Tee für uns. Während wir uns auf der Sanddüne unserer Wahl den spektakulären Sunset anschauen, zaubern die Jungs auf dem Lagerfeuer das Abendessen. Und es gibt keine Würstchen, sondern Reis, Dhal, Gemüse und Brot. Als es dunkel wird ist alles fertig. Wir sitzen ums Lagerfeuer und schauen während wir essen beim Chapati backen zu. Die ersten Sterne sind schon zu sehen. Die Milchstraße ist gut erkennbar und riesig groß. Satelliten ziehen ihre Bahnen und wir zählen in 10 Minuten mehr Sternschnuppen als damals im eiskalten August auf dem Einkorn.

Nicht lange und wir steigen in unsere Liegebetten. Es wird kühl. Die Betten sind kuschelig. Der Blick auf den Sternenhimmel ist unbeschreiblich. Es ist unglaublich still. Als ich das erste mal aufwache ist die Milchstraße verschwunden. Stattdessen steht Orion am Himmel. Der Mondaufgang ist so hell, dass ich aufwache. Ich sehe auch irgendwann den rosa Schimmer, der die aufgehende Sonne ankündigt. Sonnenaufgang vom Bett aus, ein leckerer Chai dazu. So muss Urlaub sein.

Dann gibts Frühstück. Alle erzählen begeistert von ihrer Wüstennacht und beschließen einhellig die Frühstückseier zu den besten dieses Universums zu küren.

Auf dem Rückweg zeigen uns dann die Dromedare, dass sie neben dem Zockelschaukelgang auch noch den Hoppeltrab beherrschen. Nicht gerade zur Begeisterung der touristischen Herren. Die sofort eine Solidargemeinschaft des gemeinsam erduldeten Männerschmerzes gründen.

Wir Mädels bekommen in den dörflichen Lebensgemeinschaften dafür einiges an Babygetier von den Kindern präsentiert.

Auf dem Jeeptrip nach Jaisalmer sehnt sich sicher jeder nach einer Dusche und einem kalten Getränk seiner Wahl. Aber die Stille und den Himmel werden wir sicherlich alle vermissen.

 

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