Weniger ist mehr

Weniger ist mehr

Die Sonne scheint unerschütterlich. Die Wellen rauschen mal mehr, mal weniger kräftig. Es ist warm bis heiß. All das trägt unweigerlich dazu bei sich zu entspannen. Wir haben keine wilden Pläne mehr. Im heutigen Stundenplan stehen nach dem ausgedehnten Frühstück nur so vage Vorhaben wie: „bisschen Cruisen“ und im Nachbarort free wi-fi mit Meerblick genießen, baden gehen und die andere Strandseite zu erkunden. Reihenfolge? Mal sehen. Mit wenig Mühe verschiebe ich die Erkundungstour auf einen tieferen Sonnenstand. Am Besten vors Abendbad. Ihr seht also, ein Rest von prozessorientierter Denkfähigkeit ist noch vorhanden.

Gestern haben wir einen längeren Ausflug mit dem Roller gemacht. Erst ein 5-Sterne Ressort nebenan besichtigt. Das weitläufige Gelände mit Swimmingpool und Golfplatz bekam von Jörg recht schnell das Prädikat „Russenbunker“. Keine Ahnung was dort ein Zimmer kostet – aber auf jeden Fall nichts was uns irgendwie anmachen würde. Die protzige Auffahrt hab ich dann gleich mal für ein paar Runden auf dem Roller genutzt. Ich bin da ja Anfänger. Dann ging's weiter in Richtung Süden. Ohne Karte. Einfach der Straße nach. Zum Glück wurde Jörg ja mit integriertem Navi geliefert. Lange Zeit tat sich echt gar nichts aufregendes. Dann kommt irgendwann mal ein großes Eingangstor. Was draufsteht können wir nich lesen. Hindischnörksel. Hinter dem Tor zwei Breite einsame Straßen die den Berg hinunter führen. Straßenlaternen. Aber sonst nix. Keine Autos. Ein Mopedfahrer steht irgendwo unter einem Baum im Schatten und telefoniert. Unten angekommen ein riesiges Feld. Verfallen. In der Mitte ein ebenso von Moos und Flechten überzogenes turmartiges Ding. Ein großes Rätsel. Was ist das? Besser was war das? Antik ist es definitiv nicht. Daneben ein weitläufigere ehemals rosafarbenere Gebäudekomplex. Noch ein Tor. Schuhe dahinter. Also etwas Religiöses. Unsere Befragung der wenigen schwer zu findenden Bewohner ergab, dass es ein Ashram ist. Oder war. Momentan wohnen dort noch 10 Leute. Der beschriebene Platz vor dem Gebäude soll aber 35.000 Anhängern Platz bieten. Nun, auch dieses Business scheint Höhen und Tiefen zu kennen. Später entdecken wir einen noch wilderen Strand und sind damit für den Tag sehr zufrieden mit unserer Entdeckungstour.

Ansonsten sitzen wir hier im palmenbeschatteten Garten unserer Unterkunft, genießen die Brise und lesen was das iPad hergibt. Ein wunderbares Gefühl in ca. 600g Gepäck eine große Auswahl an lesbarem dabeizuhaben. Da kann man sogar mal einen nicht ganz so guten Griff in den Kindlestore einfach auch angelesen wieder wegpacken. Das ist wirklicher Kundennutzen. Wenn die jetzt noch das mit dem Verleihen irgendwie hinbekommen. Nur die Akkulaufzeit ist in Spitzenzeiten etwas einschränkend.

Langsam versuche ich meine Gedanken auch wieder Richtung Deutschland, Herbst und Vorweihnachtszeit auszurichten. Fällt mir aber schwer – verschiebe das jetzt mal auf Sonntag. Wenn die Anschauung ein wenig weiterhelfen sollte. Vielleicht mach ich schon mal eine Liste mit Namen der Leute denen ich noch erzählen muss was wir hier so getrieben haben. Obwohl…

Die schwersten Entscheidungen des heutigen Tages werden sein, ob ich jetzt noch ein viertes Buch anfangen soll. Vielleicht ein Krimi diesmal? Und wo wir heute Abend leckeren frischen Fisch essen sollen. Das kriegen wir hin.

 

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