Fundstelle

Fundstelle

Fundstellenschild im Frankfurterbahnhof
Fundstelle. Aus der Reihe schöne Begriffe der Deutschen Bahn.

Dienstreise. Frankfurt. Kein Frühstück im Hotel.
Ich beschließe mir ein „do it yourself“ Frühstück aus dem reichhaltigen Angebot der Bahnhofshalle zusammenzustellen und dies dann gepflegt in der DB Lounge zu verspeisen. So weit der Plan. Der pfiffige Leser ahnt bereits, dass es mich nur deshalb dazu drängt darüber zu bloggen, weil der Plan nur ein Plan blieb.

Machen wir gleich da weiter, wo mir das Herz in die leere Hostentasche rutscht und ich feststelle, dass mir mein geliebtes iPhone fehlt. Dafür hab ich einen Kaffeebecher und eine Brötchentüte in der Hand. Die schmale grüne Ledertasche nebst wertvollem Inhalt ist nicht da. Auch nicht in den Untiefen meiner Umhängetasche.

Panik!

Mir fällt auch gleich ein wo ich es zuletzt benutzt hatte. Da ist es nicht mehr. Das Personal von der Bahn, das um meinen Verlustort an Schaltern sitzt – ist ahnungslos, erst am Ausgang des Reisezentrums findet sich ein älterer Herr, der mir versichert, dass er eine junge Frau mit dem Fund zur benachbarten Fundstelle (was für eine Begriffs-/Bedeutungsverdrehung) geschickt hat.

Hinmarschiert. Kein Handy da.

Ein weiterer Hinweis auf einen weiteren Informationscounter, der wieder ohne Fund bleibt. Zurück zur Fundstelle / Fundservice – Fundantrag ausfüllen. Dazwischen mal angerufen (zum Glück hatte ich mich mit dem Handy wecken lassen, deshalb war der Ton an) – keine Reaktion. Der Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich mal langsam aufbrechen sollte Richtung Reisezweck.

Auf dem Bahnsteig merke ich, dass meine Tasche vibriert. Der Dienst-Blackberry vermeldet, dass ich mich gerade selbst anrufe. Noch ein wenig hin und her – dann erwische ich tatsächlich jemanden der mir sagt, dass das Handy in seinem Besitz wäre, und dass er in der DB-Lounge 1.Klasse auf mich wartet. Er spricht Deutsch mit Akzent, erzählt etwas von einer Bekannten und vor meinem inneren Auge sehe ich ein junges Rucksackreise-Pärchen das erster Klasse durch Deutschland reist. Die Sorte Mensch, die Reiseerlebnisse mit Menschen schätzt, und schon ganz gespannt auf die Tussi warten, die so doof ist ein 800 Euro Handy einfach rumliegen zu lassen. Ich stelle mir auch vor, wie ich den beiden 50 Euro als Finderlohn in die Hand drücke, damit sie weiter 1. Klasse fahren können und vor allem so ehrlich bleiben wie sie wohl sind.

In der Lounge angekommen – sehe ich niemanden der mein Handy vor sich liegen hat. Ich rufe nochmals an – wir treffen uns am Eingang. Kein Rucksacktourist – aber ein Junger Mann, der für die Bahn im Lounge-Service arbeitet. Er zeigt lächelnd auf eine junge Frau die neben ihm steht. Sie hat eine Kittelschürze an und ist ganz offensichtlich vom Reinigungsdienst. Sie hat das Handy gefunden – spricht aber so wenig deutsch, dass sie sich nicht getraut hat die Fundstelle zu besuchen – sicher hätte sie dort etwas ausfüllen müssen. Deshalb hat sie sich an den netten Kollegen gewandt. Sie will den Finderlohn zunächst gar nicht annehmen. Ich kann sie aber überreden und sie freut sich riesig. Und ich mit. Wir strahlen um die Wette. Ich immer noch.

Ich weiß nicht was mich mehr freut. Dass ich das Handy wieder habe – oder dass ich einem so ehrlichen Menschen begegnet bin.

 

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