Luxus der Weite

Luxus der Weite

Der König der Piste
Der König der Piste :-)

„Diese Strecke fahren nicht viele. Also eigentlich so gut wie niemand.“ Überaus freundlich gibt mir der gut 60 jährige Ranger an der Lodge in Twyfelfontein noch ein paar Tipps für unsere heutige Tour. Weißer Vollbart, Bierbauch, breites Lächeln. Typ Menschenfreund. Er soll Recht behalten. Auf den rund 350 Km von Twyfelfontein nach Cape Cross an der Skeleton Coast werden uns genau 5 Autos entgegen kommen.

Im nächsten Dorf tanken wir erstmal voll. Gestern hatte Beate hier nach unserem doppelten Platten einen neuen Reifen erstanden. Die Tanke besteht aus genau einer Zapfsäule, über der eine schattenspendende Plastikplane montiert ist. Die Piste führt uns zunächst vorbei an blondbleichem Gras und rostroten Kegel- und Tafelbergen. Das sieht aus wie im Wilden Westen. Ich erwarte nach jeder Kurve herangalloppierende Indianer. Beate meint, dass sei hier wie in Nevada. Die Straße hat oft was von einer Achterbahn. Zum Teil müssen wir 50 m steil bergauffahren, ehe es hinter der Kuppe wieder ebenso steil bergab geht.

Beate kommentiert die Achterbahnfahrt abwechselnd mit „Hui“, „Jippie“, „Boah“, „Geil“ und wenn es etwas heftiger wird mit „Huihuihui“. Die Vegetation wird immer spärlicher. Wir passieren nur eine einzige, kleine Ansiedlung. Bäume, die wie übergroße Büsche wirken, geben grüne Tupfer in der ansonsten von allen Rot- und Brauntönen durchtränkten Landschaft. Ich beschließe, diese Baum-Büsche als „Bausch“ zu bezeichnen. Nach Beendigung unseres Urlaubs versuche ich diese botanische Neuschöpfung offiziell bei Wikipedia zu etablieren :-).

Dann verschwinden auch die Bäusche. Die Berge flachen ab. So ähnlich sieht es auch auf dem Mars aus. In dieser Marslandschaft taucht nach 100 Km das Springbock Gate, das Eingangstor zum Skeleton Nationalpark auf: ein Häuschen im roten Nirgendwo, in dem ein Paar lebt. Beate erledigt den Papierkram, denn ohne offizielle Genehmigung dürfen wir nicht zur gut 50 Km entfernten Skeleton Coast.

Direkt an der Küste liegt ein Ort namens Torra Bay. Dort soll sich laut Karte die nächste Tanke befinden. Die wollten wir mitnehmen. Sicherheitshalber. Doch der freundliche Verwalter des Springbock Gates weist uns darauf hin, dass erst im Dezember wieder jemand nach Torra Bay käme. Ok, sooo viel Zeit haben wir dann doch nicht. Macht nix. Der Tank ist noch ziemlich voll und einen Reservekanister haben wir auch dabei.

Die 50 Km bis zur Küste geht die Piste beständig leicht bergab. Schon aus weiter Entfernung erkennen wir die sich an der Küste auftürmenden Wolken. Der rot-braune, steinige Boden wird immer sandiger. Kniehohe Büsche tauchen auf, an denen sich der helle Sand sammelt. Auch die Luft verändert sich. Die trockene Wüstenluft weicht feuchterer Meeresluft, die wir schon aus der Entfernung riechen können. Wind weht beständig vom Meer in die Sandwüste und kühlt die Luft ab.

Dann haben wir tatsächlich den Atlantik erreicht. Noch sind es fast 200 Km bis zu unserem Ziel Cape Cross. Links die flache Wüste und rechts das fast türkisblaue Meer. Nach einer Weile gelangen wir an eine kleine Lagune. Und dort sind … tatsächlich … etwa ein Dutzend pinke Flamingos. Wir schleichen uns an und schießen ein paar Bilder.

Weiter geht’s. Der Fremdenverkehrsverband Namibias hat als Slogan „Luxus der Weite“ kreiert. Zuhause hatte ich das als das übliche Marketingblabla abgetan. Ich hatte ja keine Ahnung. Und deshalb entschuldige ich mich hiermit in aller Form dafür!

Wir sind uns einig, dass unsere heutige Tour bei Geologen einen Dauerorgasmus auslösen muss. Und stellen bedauernd fest, dass unsere geologischen Kenntnisse kaum als rudimentär zu bezeichnen sind. Welche Millionen Jahre alten Geschichten uns diese Landschaften erzählen könnten. Doch irgendwann verlieren unsere Augen in dieser Landschaft den Halt. Alles scheint fließend ineinander überzugehen. Wenigstens liegt alle zig Kilometer ein kaputter Autoreifen am Pistenrand, der etwas Kontrast bietet.

Auch wenn Beate am endlosen Sandstrand gleich mal den Schädel eine Antilope oder so findet, kommt der Name Skeleton Coast  nicht von den hier verendeten Tieren.

Unzählige Schiffswracks säumen diese Küste. Auf unserem Weg sind 2 ausgeschildert. Allerdings scheint es sich bei diesen beiden Exemplaren eher um gestrandete Paddelböötchen zu handeln. Egal, mit dem Camper über den Sandstrand zu brettern macht einen Riesenspaß. Auch wenn Beate diese Idee nur als „halbgut“ bezeichnet. Aber halbgut ist wie halbvoll – geht also :-).

Am frühen Nachmittag kommen wir in dem 20 Seelen Nest Cape Cross an. Unser beider Hirn ist übervoll mit den heutigen Eindrücken. Wir wollen einen Tag nix unternehmen, um die bisherigen Erlebnisse etwas zu verdauen. Und um Platz zu schaffen für neue.

 

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