Sand. Sehr sehr viel Sand!

Sand. Sehr sehr viel Sand!

Toter Baum vor roter sanddüne„Knallrot ragen sie über 300 Meter hoch in stahlblauen Himmel. Die Nachmittagssonne zeichnet scharfe Kanten auf die Dünen von Sossusvlei. Ihre Schattenseiten erscheinen pechschwarz.“ So poetisch steht es im Reiseführer. Die Dünen von Sossusvlei. Es sind DIE Dünen! In der ältesten Wüste der Welt! Über 130 Km ziehem sie sich durch die Landschaft. Ziemlich großartig das alles. Nein, überwältigend.

Allerdings liegen Dünen für gewöhnlich in Wüsten und bestehen aus Sand. Was sich in Verbindung mit sehr starkem Wind für den Betrachter nicht unbedingt von Vorteil erweist. Gut, einen kleinen Sandsturm auf sich zukommen zu sehen hat auch was. Vorausgesetzt, man kann diesem sandfarbenem, eintönigen Wischiwaschi was abgewinnen. Und vorausgesetzt, man mag es, wenn wirklich durch jede winzige Ritze Sand ins Auto dringt und sich malerisch auf dem Amaturenbrett verteilt.

Außerdem führt diese Unmenge an durch die Luft wirbelndem Sand dazu, dass sandige Pisten noch mehr versanden. Womit ich die Tatsache, dass wir plötzlich und unerwartet mit dem Wagen trotz 4WD einfach mal im Sand stecken geblieben sind, nicht ursächlich mit dem Sturm in Verbindung bringen möchte. Obwohl, wenn ich es mir so recht überlege, vielleicht doch.

Gut, wie sich dann später herausstellte, lassen sich Sandpisten mit weniger Reifendruck und vor allem einem einfach mal in der Spur bleiben, locker bewältigen. Aber dann hätte ich ja die „Den Wagen aus dem Sand schaufeln“ Trainingseinheit verpasst. Übrigends mit einer sehr kleinen Schaufel. Und wie sich noch rausstellen sollte, täte mir sehr viel mehr Training sehr gut. Aber dazu später.

Kurz gesagt, wir konnten uns am gestrigen Freitag mit den äußeren Umständen nur bedingt anfreunden. Nach Mittag sandete es dann nicht mehr so wild. Eine kleine Wanderung durch die Dünen zu einem Ort namens Dead Vlei stand an. Wobei sich die Idee, in der Mittagssonne durch eine Dünenwüste zu wandern, auch nicht als beste unserer Ideen herausstellte. Dabei ist hier gerade Herbst und die Mittagstemperaturen pendeln um erfrischende 30 Grad.

Aber wie auch immer. Das Dead Vlei ist eine kleine, helle Senke umgeben von 200 bis 300 m hohen, in allen rottönen leuchtenden Dünen. In dieser hellen Senke stehen vielleicht 3 Dutzend schwarze Baumstämme. Diese Bäume haben vor gut 1000 Jahren das Zeitliche gesegnet. Und stehen da wie gesagt immer noch! So trocken ist die Gegend.

Gegen Abend frischt dann der Wind wieder auf. Nicht genug für einen weiteren Sandsturm. Aber genug, um an unserem Camper-Gasherd, der nur von außen und nicht von innen zu bedienen ist, die Herdflamme überall hin tanzen zu lassen, nur leider nicht in Richtung der über ihr liegenden Pfanne. Wir versuchten allerlei Varianten, um den Wind von der Flamme abzuhalten. Ich setzte sogar den Camper um. Doch wie zum Hohn drehte tatsächlich genau in diesem Moment der Wind.

Unsere verzweifelten Bemühungen, etwas Fleisch mit Gemüse in der Pfanne zu erwärmen – von erhitzen will ich hier gar nicht sprechen – fruchteten nach etwa 1,5 Stunden. Pünktlich zum Abendessen ließ der Wind dann auch nach.

Gute 12 Stunden später ließ dann auch ich nach. Am heutigen Samstag hat sich der Wind gelegt und die Luft ist klar. Wunderbare Vorausetzungen, um die etwa 170 m hohe Düne namens Dune 45 zu ersteigen. Dune 45 übrigen s, weil sie 45 Km vom Eingangstor entfernt liegt. Ausgerüstet mit 1,5 Liter Wasser und totaler Selbstüberschätzung machte ich mich immer dem Dünenkamm entlang auf dem Weg. Ich meine, hey, ich bin in Afrika auf den Kilimandscharo gestiegen. Da sollte doch so eine Düne…

Bitte habt Verständnis dafür, dass ich mein Scheitern hier nicht zu ausführlich schildern möchte. Nach dem ersten Drittel war Schluss! Wenigstens hat außer meiner Frau niemand dieses traurige Schauspiel mitansehen müssen. Denn wir hatten eine der berühmtesten Dünen der Welt für uns exklusiv. Egal, nach dem Urlaub geht es wieder auf die Trimm-Dich-Pfade.

Am morgigen Sonntag gönnen wir uns noch einen Ballonflug über die Dünen. Vorausgesetzt, es stürmt nicht wieder. Aber die Wettervorhersage ist zuversichtlich. Vor Sonnenaufgang geht es dann wieder raus. Aber das machen wir eh hier fast immer. Und mit etwas Glück wird es dann doch noch so ähnlich, wie im Reiseführer beschrieben: „Knallrot ragen sie über 300 Meter hoch in stahlblauen Himmel. Die Nachmittagssonne zeichnet scharfe Kanten auf die Dünen von Sossusvlei. Ihre Schattenseiten erscheinen pechschwarz.“

 

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