Sonne, Strand und ein schlechter Spruch

Sonne, Strand und ein schlechter Spruch

Kurz nach 7 Uhr in South Hedland. Sonne: strahlt. Wolken: null. Wunderbar! Nach dem Frühstück begeben wir uns auf die 615 Km lange Küstenstraße Richtung Broome. Genau drei Roadhouses – also die hemdsärmelige Variante der hiesigen Tank- & Raststätten – gibt es auf dieser Strecke. Ansonsten? Nix! Nur Landschaft. Wobei das nicht ganz richtig ist. Auch eine handvoll Campingplätze liegen auf diesem Streckenabschnitt.

Einer davon ist unser heutiges Ziel: der rund 250 Km entfernte 80 Mile Beach Campingplatz. Gegen Mittag kommen wir dort an. Die Anfahrt führt von der Hauptstraße weg über eine malerische,10 Km lange rostrote Sandpiste. Vom Campingplatz geht es ein paar wenige Meter über eine Düne und dann … zack … links, Sandstrand so weit das Auge reicht. Rechts, Sandstrand so weit das Auge reicht. Nach vorne gut 70 m Sandstrand. Und dann der Indische Ozean so weit das Auge reicht.

Anfahrt zum 80 MIle Beach
Anfahrt zum 80 Mile Beach

Kein einziges Boot oder Schiff und das Blau des Meeres geht fast fließend in das des Himmels über. Wir sind hin und weg. Der ideale Ort für einen Sonntag am Strand. Die Strandfarbe bezeichnet Beate als „rentnerbeige“, in Anlehnung an diese – aus welchen Gründen auch immer – gerade bei deutschen Rentnern sehr beliebten, ärmellosen beigen Westen mit schätzungsweise 175 Taschen, von denen mindesten 173 einfach komplett sinnlos sind.

Eine kleine Quizfrage am Rande, um eure Synapsen ein wenig in Schwung zu bringen: Wie lang ist der 80 Mile Beach wohl? Na, erste Schätzungen? Ja, richtig, etwa 600 Km lang! Nochmal zum tief inhalieren.

Der! Strand! Ist! 600! Km! Lang!

Warum die 80 dann im Namen auftaucht, kann mir leider auch der nette Herr von der Campingplatzverwaltung nicht erklären. Immerhin findet er meine Frage interessant.

Laut Reiseführer soll der 80 Mile Beach zu den Top-Stränden des Kontinents zählen. Wir können das natürlich nicht wirklich beurteilen. Aber ich sach mal so: viel hübscher kann es tatsächlich kaum werden. Zwei kleine Kleinigkeiten gilt es jedoch zu beachten: Haie und Stachelrochen. Wegen dieser beiden Tierchen wird vom Baden abgeraten.

Wobei uns vor wenigen Tagen in einem kleinen Aquarium in Denham eine sehr freundliche Mitarbeiterin darauf hingewiesen hat, dass im letzten Jahr weltweit nur sechs Menschen nach Haiattacken starben. Aber zwölf beim Schießen eines Selfies. Allerdings schilderte sie auch sehr ausführlich, wie unangenehm es sein kann, auf Stachelrochen zu treten.

Ja, euer Neid ist berechtigt :-)
Ja, euer Neid ist berechtigt :-)

Also lassen wir das mit dem Baden. Stattdessen machen wir das, was man an einem Strand so macht. Nix. In den Campingstühlen sitzen. Rumgammeln. Den Wellen lauschen. Die Sonne und die angenehme Briese genießen. Lesen. Und Angler gucken.

Die stehen im 20 bis 30 m Abstand am Ufer wie an der Angelschnur aufgereiht. Ein hübsches Unterhaltungsprogramm für uns. Hinter den zu grob geschätzt 99,9% männlichen Anglern hocken zuweilen deren Frauen, schießen Fotos, sammeln Muscheln und huldigen ihren Helden angemessen, wenn sie mittelfinger- … äh … -große Fische nach endlosen und heftigen Kampf dem gnadenlosen Ozean entreißen. Das weitere Überleben ist für mindestens einen Tag gesichert.

Rummgammeln Teil 1: Beate
Rumgammeln Teil 1: Beate

Wahrscheinlich werden diese Fischlein im Laufe der Jahre und Erzählungen mindestens unterarmlang. Ich bin kein Angler, möchte aber an dieser Stelle einfach mal all’ meine Vorurteilen genüßlich pflegen – sorry Alex :-).

Was mich aber so richtig aufregt: etwa ein gutes Dutzend  miese, kleine Pissnelken cruisen mit ihren völlig überbewerteten 4WD’s über den Strand. Lächerlich!!!

Ok, zugegeben, ich bin gerade ein wenig … nun ja … neidzerfressen. Einfach 3x tief durchatmen. Om.

Rummgammeln Teil 2: Jörg
Rumgammeln Teil 2: Jörg

(Gut 300 Atemzüge später) Jetzt bin ich wieder völlig ruhig und entspannt. Eine gute Gelegenheit, eine vor wenigen Minuten erlebte Anekdote aus der zu recht so beliebten Rubrik „Herrengespräche auf der Toilette“ zu schildern. Vor dem Duschen stehe ich also friedlich pinkelnd in der Herrentoilette. Ein Aussie mittleren Alters kommt rein, grüßt mich freundlich und fragt: „Hey Kumpel (Australier sprechen grundsätzlich alles und jeden mit Kumpel an). Heute auch ein paar schöne Fische gefangen?“

Nun ja. Irgendwo zwischen Perth und hier habe ich mir überlegt was ich sage, wenn mir mal wieder jemand ein Thema aufs Auge drückt, von dem ich entweder keine Ahnung und/oder an dem ich kein Interesse habe. Also antworte ich „Nein, Kumpel, aber ich kann Fliegen mit einer Hand fangen!“

Sinn einer solchen Antwort ist natürlich, dem Gesprächsverlauf eine – sagen wir mal – überraschende Wendung zu geben. Natürlich muss mein Gegenüber nicht wissen, dass ich bestenfalls altersschwache Fliegen fange, die gerade Mittagsschlaf halten.

Tatsächlich starrt mich der Aussie für ein paar lange Momente überrascht an. Und sagt dann: „Wow, Kumpel. Viel Spaß beim Grillen der Fliegen“ und verlässt lachend die Toilette. Ja, ich fürchte der Punkt geht eindeutig an ihn. Aber wir haben bis Darwin ja noch lockere 2000 Km vor uns. Bis dahin kann ich mir einen besseren Spruch ausdenken.

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