ICH HASSE EUCH!

ICH HASSE EUCH!

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Wenn meine Cousine Kikki ihrem Neid ein wenig Ausdruck verleihen möchte, sagt sie für gewöhnlich „Ich hasse euch!“ In ihrer Stimme schwingt dann immer eine Mischung aus dem gerade erwähnten Neid, aber auch Respekt und Herzlichkeit.

Sie hätte auf unserer Australien-Tour in den vergangenen Tagen schon öfter gute Gründe gehabt, ihren Satz loszuwerden. Innerhalb der letzten gut 24 Stunden hätte sie wahrscheinlich ihn nicht nur gesagt, sondern mehrfach laut rausgebrüllt. Der Reihe nach:

Seit Sonntag mittag sind wir ja strandtechnisch ziemlich im Gammelfleisch-Modus unterwegs. Der Strand ist der bereits beschriebene 80 Mile Beach, der sich über 600 Km erstreckt. Gestern waren wir noch am 80 Mile Beach Campingplatz, Sonnenuntergang gucken. Ok, ich weiß, Sonnenuntergang am Strand und so … *gähn.

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Doch um es mal klar und deutlich zu sagen: das war gestern aus der Kategorie Hochglanz-Fototape-Super-Deluxe. Oder wie es eine Autorin in der Geo Saison (Dez. 2015) einen Hauch poetischer formuliert hat:

„Einmal fassungslos vor Glück erleben, wie am 80 Mile Beach die Sonne im Indischen Ozean versinkt und später der Himmel für Stunden in flüssigem Bernstein glüht.“

Ja, so kann man es auch texten. Auf jeden Fall schoss dieser Sonnenuntergang bei uns von 0 auf Platz 1 unserer ewigen Top 10 Liste der weltweit besten Sonnenuntergänge ever ever ever (spätestens jetzt schreit Kikki das erste Mal „Ich hasse euch“).

Am heutigen Morgen fahren wir dann rund 250 Km weiter nach Norden zum Barn Hill Beachside Station Stay. Von der Hauptstraße runter quält sich unser Camper über eine etwa 10 Km lange, rostrote (dieses Wort fällt wohl noch öfter) Sandpiste bis zum Campeingang. Wie schon in einem vorigen Blogbeitrag erwähnt: ein 4WD Camper wäre für West-Australien sicherlich sinnvoller gewesen. Wir haben uns da ein wenig von Bequemlichkeit und Luxus verführen lassen. Das ist jetzt allerdings Jammern auf ziemlich hohem Niveau.

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Also, die beiden älteren und überaus freundlichen Herren an der Rezeption haben noch einen Platz ohne Stromanschluss für uns frei. Und was für einen! Der vielleicht bislang hübscheste. Am äußersten Ende des Campingplatzes auf einer Klippe gelegen, mit Blick rüber zum Meer. Wir hören die Wellen rauschen.

Der Sandstrand ist anders als der die letzten Tage. Zwar etwa 70 m breit aber er zieht sich wie eine endlose Schlangenlinie am Meer entlang. Und er bietet ein beeindruckendes Farbenspiel. Denn die Klippen sind rostrot (da ist es wieder), was den Strand – um Beates meistbenutzte Wort in diesem Urlaub zu gebrauchen – „unwirklich“ erscheinen lässt. Nix gegen Palmen und Strand oder so. Aber farblich ist das hier kaum zu schlagen (spätestens jetzt schreit Kikki das zweite Mal „Ich hasse euch“).

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Der Sonnenuntergang reicht an den gestrigen aufgrund von einigen Wolken nicht ganz heran. Doch zum Ausgleich taucht etwa 20 m vom Ufer entfernt immer wieder eine Flosse aus dem Ozean auf (spätestens jetzt schreit Kikki das dritte Mal „Ich hasse euch“).

Gestern fand ich am Strand tatsächlich den abgebissenen und leicht verwesten Kopf eines kleines Hais. Könnte also tatsächlich ein Hai gewesen sein. Vielleicht gehörte die Flosse aber auch einem Delfin. Wir wissen es nicht. Deshalb nennen wir es einfach nur Sonnenuntergang mit Flosse. Und das heute gehört aufgrund der Flosse unter unsere Top 3 der weltweit besten Sonnenuntergänge ever ever ever.

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