Endlich Kängurus (und Krokodile)

Endlich Kängurus (und Krokodile)

Früh um 7 weckt uns die strahlende Sonne. Kein Wölkchen am Himmel und so wird es auch den ganzen Tag über bleiben. Von der 16.000 Einwohner-Städtchen Broome wollen wir knapp 400 Km östlich in das 1.500 Einwohner Örtchen Fitzroy Crossing. Zwischen Broome und Fitzroy Crossing ist ortstechnisch nichts. Absolut gar nichts. Noch nicht mal eine winzige Ansammlung von1 bis 2 Hütten. Dementsprechend reichte einst bei der Straßenplanung „ein sehr langes Lineal“, wie es Beate ausdrückt. Keine Ahnung, wie viele bzw. wenige Menschen in der Gegend leben. Aber ganz sicher treten sie sich nicht gegenseitig auf die Füße.

Interessanterweise befindet sich auf der Strecke ein fußballfeldgroßer Rastplatz, der sich im Wesentlichen dadurch auszeichnet, dass er asphaltiert ist. Ansonsten bietet auch er nix: keinen Schatten, keine Bänke und Tische, keine Toilette, noch nicht einmal einen Abfalleimer. Einziger Blickfang ist ein Schild auf dem wir gebeten werden, unseren Müll wieder mitzunehmen. Der nächste Rastplatz mit Mülltonnen befinde sich in genau 183 Km Entfernung.

Die heutigen knapp 400 Km sind landschaftlich nur sehr bedingt abwechslungsreich. Die ersten Spinifex-Gräser und Eukalyptus-Bäume hinter Broome unterscheiden sich nur sehr unwesentlich von den den letzten Spinifex-Gräsern und Eukalyptus-Bäumen vor Fitzroy Crossing.

Size matters ;-)
Size matters ;-)

Eine kleine Weile heften wir uns in den Windschatten eines Reisebusses mit größerem Anhänger, auf dem „Outback Spirit“ steht. Addiert man unseren Australien-Urlaub 2004, dann können wir auf lockere 5.000 Km Outback „Erfahrung“ verweisen. Die Natur, das Farbenspiel und die Weite faszinieren uns immer wieder. Doch entspannt genießen können wir dies natürlich in erster Linie nur mit a) ausreichend Benzin-Vorräten und b) ausreichend Wasser-Vorräten.

Denn mal so unter uns: ohne das wären wir im Outback verloren und gäben ein Festmal für die hiesige Insektenwelt ab.. Würden wir nicht zufällig über einen Wassertümpel stolpern, würden wir verdursten, denn wir haben keine Ahnung, wie man hier Wasser findet. Und würden wir nicht verdursten, so würden wir früher oder später verhungern. Denn wir haben keine Ahnung, wie man hier etwas essbares jagt oder findet. Und würden wir nicht verhungern, so erlägen wir früher oder später einer Vergiftung. Entweder weil wir die falschen Pflanzen zu uns genommen hätten, oder weil uns das eine oder andere der unzähligen sehr giftigen Tierchen einfach mal beißen würde.

Also weiter auf dem Asphalt in Richtung Fitzroy Crossing, dass für uns eine Zwischenstation in den noch weitere 400 Km entfernten Bungle Bungle Nationalpark ist. Hier haben wir für Samstag einen weiteren Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes geplant (dazu dann mehr am Wochenende). Fitzroy Crossing wird selbst in den euphorischsten Beschreibungen als trostlos bezeichnet. Zurecht. Aber in wenigen Km Entfernung befindet sich der Geikie Gorge Nationalpark, durch den der Fitzroy River fließt.

Auf einer Länge von 14 Km durchschneidet der Fluss hier ein zerklüftetes Kalksteingebirge, dass vor 350 Mio. Jahren noch Teil eines großes Riffs war. Wir entschließen uns zunächst zu einem kleinen, einstündigen  „Off-Road-Spaziergang“ (wie es Beate nennt) durch die Gegend. Der Fluss liegt wirklich idyllisch und lädt zum Baden ein – wären da nicht die Fluss-Haie (Northern River Sharks) sowie die Süßwasserkrokodile.

happycroc.jpg

Doch wird im Nationalpark eine Bootstour entlang der bis zu 30 m hohen Kalksteinfelsen angeboten. Wir kaufen Tickets für die 16 Uhr Tour wegen Sonnenuntergang und so. Bis etwa 15:30 Uhr ist die Gegend fast ausgestorben. Dann plötzlich erscheinen mehrere Reisebusse und spucken insgesamt rund 100 Touristen aus. Puh.

Die Bootstour entpuppt sich dann doch als wesentlich besser, als wir zunächst befürchtet haben. Nicht nur wegen der Kalksteinfelsen und ihrem spektakulären Farbenspiel im Sonnenuntergang. Sondern vor allem auch, weil am Flussufer ein paar Krokodile die Sonnenstrahlen genießen und Wallabys (eine kleine Känguru-Art) durch die Gegend hüpfen. Bisher hatten wir Kängurus ja nur auf unserem Grill und tot am Straßenrand liegen sehen.

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Bei der Ausfahrt aus dem Park zählen wir sogar noch 20 weitere links und rechts der Straße. Und drei kleine queren ein paar Meter vor uns sogar unseren Weg. Wir sind mal wieder hin und weg. Und zum Abendessen gibt es heute keine Kängurus.

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