Pussyfreie Zone

Pussyfreie Zone

Als „Wurrgeng“ bezeichnen die lokalen Aboriginies den Juli. Als kalte Jahreszeit. Zur Erinnerung: es herrscht hier zur Zeit tiefster Winter.

Dementsprechend kratzen die Temperaturen morgens um 10 Uhr auch nur an der frostigen 30 Grad-Marke. Aber wir sind ja keine Pussies. Wir trotzen den widrigen Bedingungen, schlüpfen nur in Shirts, Shorts und Flip-Flops und frühstücken draußen vor unserem Camper.

Um die Fingerchen vor dem Erfrieren zu schützen, umklammern wir zuweilen eine Tasse heißen Kaffee. Das Wasser dafür haben wir natürlich stilecht zuvor auf dem Lagerfeuer zubereitet. Also auf dem Gasherd im Camper. Doch das würden natürlich nur äußerst kleingeistige Gemüter nicht als Lagerfeuer bezeichnen. Denen schleudern wir ein verächtliches „Pah“ entgegen. So!

Übrigens, auch der Himmel ist mal wieder absolut wolkenfrei. Und das nun schon seit 12 Tagen. Natürlich bedarf es einer gewissen mentalen Stärke, auch dies zu verkraften. Uns entlocken diese unwirklichen Rahmenbedingungen natürlich nur ein mildes Lächeln.

Nach dem Frühstück steigen wir in den Camper und verlassen den Kakadu Nationalpark. Wir passieren ein kleines Stück noch vor sich hinkokelnden Waldes. Der wird hier zuweilen kontrolliert abgebrannt. Wir könnten jetzt natürlich einen der noch rauchenden Baumstämme zum Grillen von ein paar Stücken Kängurufleisch nutzen.

Selbstverständlich haben wir das Fleisch eigenhändig gejagt und erlegt. Also in einem vollklimatisierten Supermarkt. Aber das ist nur ein unwichtiges Detail am Rande. Doch so kurz nach dem Frühstück ist Grillen natürlich blödsinnig.

Also fahren wir weiter. Vor wenigen Tagen noch sah Beate ein hübsches Foto. Irgendwo in oder auf diesem facebook oder wie das auch immer heißt. Interessiert uns ja eigentlich auch nicht so. Gehört zu diesem neumodischen Kram namens … Internetz. Wird sich sicher nicht durchsetzen.

Wir sind ja mehr die haptischen Typen. Kein digitaler Schnickschnack. Zum Beispiel Bücher. Ich sach immer: ich muss meinen Kindle anfassen können.

Doch ich schweife ganz gegen meine sonstigen Gewohnheiten ein wenig ab. Wo war ich gleich? Ach ja, das Foto. Darauf ist ein junges Mädchen abgebildet, die auf einem Krokodilrücken reitet. Dazu der Text: „Ponies are for Pussies!“

ponies

Genau so sehen wir das auch! Exakt aus diesem Grund haben wir ja auch gestern eine kleine Bootstour durch die Wetlands im Kakadu Nationalpark gebucht. Rund 100.000 Krokodile sollen hier leben. Also einfach mal auf eins draufhüpfen und ’ne Runde reiten.

Denn schließlich hat jeder Australier so etwas mindestens 1x im Leben gemacht. Oder ist alternativ auf einem Hai gesurft. Oder hat sich eine Python um den Hals gelegt. Natürlich nur, um sich ein wenig vor der klirrenden Winterkälte zu schützen.

Dummerweise hatten wir ja die Bootstour zum Sonnenaufgang gebucht. Von wegen Romantik und so. Doch zu dieser frühen Tageszeit schlafen die Crocs noch – glauben wir zumindest. Um das klar und deutlich zu formulieren: Wir hätten also, wenn wir gewollt hätten. Aber wir sind ja keine Tierquäler. Und keine Pussies.

Mittlerweile sind wir raus aus dem Nationalpark und nähern uns Darwin. Gnadenlose 200 Km haben wir heute zurück gelegt. Quer durch das Outback. Wenn dann etwa jede halbe Stunde ein Fahrzeug entgegen kommt, erfordert eine solch heikle Situation natürlich ein Höchstmass an Konzentration und fahrerischem Können. Das ist nicht jedem gegeben. Doch Diamanten entstehen bekanntlich nur unter Druck. Und so meistern wir auch diese Herausforderungen souverän.

Im Moment nähern wir uns vorsichtig einem Wasserloch. Eingeweihte Australien-Kenner wissen: Billabong nennen Einheimische solche Wasserlöcher irgendwo Mitten im Outback. Nur wenige Meter von diesem Billabong entfernt lauern gleich zwei Krokodile. Wir sind extrem auf der Hut. Schließlich könnten sie ja jederzeit über den gut 3 m hohen Zaun um sich herum springen und … man muss da sehr sehr vorsichtig sein.

So nähern wir uns auch dem Wasserloch. Wenige Meter davor scheint sich eine Art Warnschild zu befinden. „Pool Area“ oder so steht da drauf. Keine Ahnung was das bedeutet. Bestimmt wieder so ein lustiger Aussie-Slang, den niemand versteht. Wir werden das mal im Laufe des Nachmittags heroisch erkunden. Schließlich sind wir ja keine Pussies.*

*Achtung! Dieser Blogeintrag könnte Spuren von Ironie enthalten.

 

 

 

One Reply to “Pussyfreie Zone”

  1. Ach ja, so 30 Grad muss ein Hirn erst mal abkönnen…. hat’s bei uns grad auch, deshalb kann ich fast alle Gedanken nachvollziehen… „Diamanten entstehen unter Druck“ wird noch in meine (eigentlich abgeschlossenen) Erziehungsversuche einfließen, jetzt kurz vor den Sommerferien…

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