Land der dunklen Wälder

Land der dunklen Wälder

Wie der geneigte Leser ja möglicherweise schon interpretiert hat, ist unser diesjähriges Reiseziel kein typisches Schmitz Reiseziel. Besser gesagt kein typisches Jörg Reiseziel. Es war mehr so der Kompromiss aus „Beate will mal nach Skandinavien“ und Jörgs „keinesfalls bevor ich den 85. Geburtstag hinter mir habe“.  Das Baltikum ist quasi ein etwas fauler Kompromiss zwischen fast Skandinavien und ehemaligem Ostblock.

Zufällig treibt es uns jetzt ganz in die Nähe des Geburtsorts meines Papas. So nahe war ich dem heute polnischen Balamutowo noch nie. Von hier wären es mit dem Auto noch 5h.

Ich glaube mein Vater wäre, wenn er die Grenzöffnung und die Öffnung des Ostens noch erlebt hätte, schon lange hier gewesen. Obwohl er selbst wie ich mich erinnere kann – auch keine sehr klaren Erinnerungen mehr hatte. Er war vier Jahre alt, als er mit Mutter, Oma und zwei 10 Tage alten Brüdern aus dem damaligen Ostpreußen vertrieben wurde.

Also versuche ich mir heute, noch mehr als die vergangenen Tage, vorzustellen ob ich die weitläufige, bei trübem Wetter  durchaus melancholische Landschaft, deshalb so gern mag weil ein Teil meines Genpools aus einer ähnlichen Gegend stammt.

Diese sehr nachdenkliche Stimmung wird jäh gestört vom Verkehr einer sehr wuselig-grauen Hafenstadt. Wir sind in Klaipeda angekommen und navigieren uns angespannt zu einem Einkaufszentrum mit ausreichend großem Parkplatz. Wir treffen hier auf fiese drei-spurige Kreisverkehre. Google sei Dank durchfahren wir Sie mit Erfolg. Wir landen sogar genau da wo wir hinwollten. Auf der Fähre zur Kurischen Nehrung. 50 km Litauen – 46 km Russische Enklave. Hohe Dünen, hohe touristische Dichte trotz gesalzener Fähr- und was weiß ich noch für einer Gebühr. Unser Lkw-formatiges Heim auf Rädern kostet für die einfache Fahrt satte 30 EUR auf der Fähre. Für keine 10 Minuten. Kein Vergleich zu den estnischen Fährpreisen – aber sei es drum.

Der einzige Campingplatz der Insel liegt kurz vor der ehemals ostpreussischen -heute russischen Grenze. Die Womos stehen dicht an dicht. Viele deutsche Nummernschilder. Im Reiseführer steht etwas von „Sehnsuchtsort deutscher Touristen“ – weil Thomas Mann hier mit der Prämie für seinen Literaturnobelpreis ein Sommerhaus gebaut und bewohnt hat? Weil die Dünen hier zu den höchsten Europas gehören? Weil die Nehrung seit 2000 UNESCO Weltkulturerbe ist? Wir werden es morgen versuchen herauszufinden. Auf einer Vespa. Quasi als Reminiszenz an vergangen Südostasien-Urlaube.

Nachdenklich macht mich bisher nichts auf dieser Insel. Vielleicht morgen auf den Dünen. Mit dem Blick aufs Haff.

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