Im KGB-Knast

Im KGB-Knast

„Von hier aus kannst du Sibirien sehen!“

Nein, wir haben uns nicht ein wenig verfahren. Und sehen kann ich auch nichts. Dazu ist es viel zu dunkel. Aber fühlen. Es fühlt sich an wie in einer übervollen U-Bahn. Nur das dies eine vielleicht 2 qm kleine Zelle im ehemaligen KBG Gefängnis in Riga ist und sich mit mir noch vier weiter Besucher in den engen Raum quetschen.

Wir sind freiwillig da drin. Für nur eine Minute oder so. Früher kamen Gefangene nach „erfolglosen“ Verhören hier wohl auch mal gerne zwei bis drei Tage rein. Ebenfalls zu viert oder fünft. Ohne Wasser. Ohne Nahrung. „Wenn du dann wieder aus der Zelle kommst, gestehst du alles“, versichert unser Guide glaubhaft.

 

Zu fünft waren wir hier drin.

Von außen wirkt der ehemalige KGB-Knast wie ein Traum in Jugendstil. Von innen wie ein Albtraum des Terrors. Kleine, enge Zellen im Keller, kein Tageslicht. Wer hier einmal drin steckte, starb entweder im Erschießungsraum oder in einem sibirischen Arbeitslager. Nur wenige der insgesamt knapp 50.000 Gefangenen schaffte es lebend zurück in die Heimat.

Unser Guide, Jahrgang 1958, erzählt anschaulich und detailliert über den Alltag, den Überlebenskampf, den Psychoterror. Manchmal so intensiv, dass mich beim bloßen Zuhören das Grauen überkommt. Zum Ende zeigt er uns den kleinen Erschießungsraum. Die kalte Logik, mit der die Rückwand wegen der Kugeln mit Holz versehen wurde. Die schwarze Kunststoffplane, die über das Holz gezogen wurde, wegen der Blutspritzer. Der leicht abschüssige Fußboden, in dessen äußerste Ecke sich ein handflächengroßes Loch befindet. Das Abflussrohr für das Blut.

„Ich war 1988 selber eine ganze Weile hier drin“, sagt er fast beiläufig am Schluss. „Ich habe selber erfahren, wozu der KGB fähig ist. Und wenn ich sehe, dass mit Putin ein ehemaliger KGB Mitarbeiter … das macht mich sehr nachdenklich!“

P.S.: Dieser Blog ist ein Nachtrag. Ich war am Samstag im KGB-Knast in Riga. Den Sonntag verbrachten wir ziemlich entspannt ein paar Km außerhalb von Riga, am Strand von Jurmala, der baltischen Riviera. Herrlichster Sonnenschein, lecker Essen und guter Wein :-).

Heute ging es rund 400 km hoch in den Lahemaa National Park im Wlan-Wunderland Estland, etwa 70 km östlich von Tallinn. Hier campen wir noch zwei Nächte, ehe wir am Mittwoch den Camper in Tallinn abgeben müssen. Am Donnerstag geht es dann zurück nach Deutschland.

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