Viele Fragen – keine Antworten

Viele Fragen – keine Antworten

Die An- und damit auch Abreise von den Togian Inseln sei eine Zumutung, stand in einem Welt Online Artikel. In dem Bericht war nichts zu lesen von Erdbeben, Tsunami und Vulkanausbruch. Das haben wir hier on top. Doch der Welt-Artikel erwähnte auch, wie traumhaft schön es hier sein kann. Davon erhielten wir dann auch noch mal einen Eindruck.

Am gestrigen, letzten Nachmittag auf den Togians tauchte plötzlich wie zum Abschied grüßend eine Schildkröte neben dem Steg auf, schnappte ein paar Mal Luft und verschwand wieder im Meer. Wunderschön. Die Nacht verlief sehr ruhig. Die erste ohne Nachbeben.

Um wieder von den Togians nach Sulawesi, genauer in das kleine Örtchen Ampana zu kommen, organisierten wir uns ein Boot von Einheimischen, die uns dann am heutigen Vormittag innerhalb von etwa 2 Stunden rüberschifften. Kurz vor der Ankunft kommt uns zur Begrüßung eine Delfingruppe entgegen.

In Ampana sind wir heute für 1 Nacht im hübschen, direkt am Meer gelegenen  Lawaka Hotel untergebracht. Regelmässig Strom, Klimaanlage, eine Telefonnetz und Wlan. Unsere geplante Rückreise von Ampana über Palu nach Jakarta ist ja nicht mehr möglich. Ich will es kurz machen: Das Benzin ist natürlich aufgrund des Erdbebens teurer und die Flüge voll. Aber nach einer Weile organisieren wir für morgen (Freitag) eine 5-stündige Autofahrt zum östlich von hier gelegenen Flughafen Luwuk, von dem wir dann am Samstag früh aus nach Jakarta fliegen.

High five

Zur Stärkung heute besorge ich in einem Gemischtwarenladen Wasser und eine Art Chips. Die Menschen grüßen überaus freundlich, vorbeifahrende Mopedfahrer winken und kleine Kinder klatschen mich mit High 5 ab. Alles überaus freundlich und hilfsbereit.

„Hello Mister“

Dank Internet und TV sehen wir auch zum ersten Mal Bilder aus dem zerstörten Palu. Als wir dort waren, empfanden wir die Stadt als etwas, dass noch keine richtig guten Tage gesehen hatte. Und die besten davon waren schon eine Weile vorbei.

Beate findet schnell auch Fotos unseres Hotels (s. Titelbild), in dem wir wenige Tage vor dem beben und Tsunami übernachteten. Wir sind fassungslos. Unser Zimmer lag im obersten Stock links unterhalb des M’s. Das Erdbeben scheint dort einigen Schaden angerichtet zu haben. Unten rechts neben dem Haupteingang war der Frühstücksraum, in dem wir noch selber saßen. Im Raum links neben dem Haupteingang tranken wir am Abend noch ein Bier.

Wir fragen uns schon seit Tagen, was wohl aus dem freundlichen Professor der Uni Palu geworden ist, den wir auf dem Hinflug trafen und der tatsächlich noch die gesamte Mannschaftsaufstellung der deutschen Fußball-Weltmeister von 1974 aufsagen konnte.

Was wurde wohl aus …?

Was wurde wohl aus dem ebenso schweigsamen wie forsch Gas gebenden Taxifahrer, der uns zum Hotel brachte? Wie ist es dem 3-köpfigen Sicherheitspersonal vor dem Hotel ergangen, als der Tsunami auf sie zukam? Sie müssen die Welle kommen gesehen haben, denn zwischen Hotel und Meer liegt nur eine breite Straße und das nur sanft ansteigende Ufer.

Was wurde wohl aus der netten Rezeptionistin? Wenn das Wasser am Haupteingang in die Lobby reinströmte, dürfte die Rezeption selber mitgerissen worden sein und sie gegen die dahinter liegende Wand gepresst haben. Die Splitter der zerstörten Frontfenster müssen mit der Welle …

Von unserem Hotel aus gingen wir nach links am Ufer entlang bis zu einer 3stöckigen Shopping-Mall, die wie ein UFO in dieser ansonsten wenig attraktiven Stadt wirkte. Das unterste Geschoss ist im Keller. Wer sich dort aufhielt, dürfte praktisch keine Chance gehabt haben. Alle die im Erdgeschoss waren, brauchten sehr viel Glück. Nur die, die sich wie wir hauptsächlich im oberen Stockwerk aufhielten, dürften halbwegs davon gekommen sein. Und wird unser Araya-Tauchguide jemals seine Mutter und seine Schwester in Palu wiederfinden?

Viele Fragen. Keine Antworten. Wir werden sie wohl auch nie erhalten.

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