Matchplan für das Land der Fettnäpfchen

Matchplan für das Land der Fettnäpfchen

Konnichiwa! Nahezu vollständig unbelastet von irgendwelchen japanischen Sprachkenntnissen schlagen wir ein weiteres Kapitel von #SchmitzeonTour auf. Heute geht’s von Nürnberg über Warschau nach Tokio.

Bei unserer Vorbereitung haben wir uns intensiver mit den dortigen Sitten und Gebräuchen beschäftigt. Reise-Autoren und die Einheimischen selber bezeichnen Japan gerne als „Land der aufgehenden Sonne“. Dabei dürfte es sich jedoch nur um eine romantisch-verkitschte Kaschierung handeln.

Insbesondere die über 300-seitige Lektüre „Japan – Die Axt im Chrysanthemenwald“ hat diese Überzeugung in uns wachsen lassen. Wäre das Buch im marktschreierischen Internet-Clickbaiting-Format erschienen, hätte der Titel wohl „6852 Arten, sich als Ausländer in Japan bis auf die Knochen zu blamieren“ gelautet – oder zumindest so ähnlich.

Unter diesen 6852 Fettnäpfchen ist eines, das insbesondere Beate komplett an ihre Grenzen und weit darüber hinaus bringen wird: Das Naseputzen, genauer das Naseputzen in der Öffentlichkeit ist in Japan ähnlich hoch angesehen, wie bei uns etwa FKK im Büro. Dabei sichert Beate als bekennende und äußerst engagierte Tempo-Nutzerin seit Jahren zahlreiche Arbeitsplätze im gleichnamigen Unternehmen. Doch diesem Hobby wird sie also in den nächsten Wochen nicht weiter frönen können.

Es ist kurz gesagt wesentlich wahrscheinlicher, einen brodelnden Lavasee unversehrt zu durchschwimmen, als sich in Japan nicht zu blamieren. Apropos Lava: die brodelt ständig tief auf dem Meeresgrund rund um Japan. Denn das Land liegt nicht an zwei, sondern gleich an vier Kontinentalplatten, die im Schnitt zu vier Erdbeben täglich führen. Vier! Erdbeben! An! Jedem! Verdammten! Tag! Wobei der Japaner an sich dies wohl aufgrund einer Mischung aus Gewohnheit und Erfahrung mit Gleichmut nimmt. Zumal es ja auch nur alle paar Jahrzehnte so richtig rappelt.

Außerdem ist jetzt Taifun-Saison. Taifun ist ja nix anderes, als der asiatische Begriff für Hurrikan. Also Unmengen an Regen + übelste Winde. Laut Reiseführer wäre es zwar schon mal etwas blöd, für ein oder zwei Tage das Hotel nicht verlassen zu können, aber abgesehen davon versichern alle Autoren, wäre Sep./Okt. dennoch eine sehr schöne Reisezeit.

Stellt sich also die Frage, wie angesichts von Fettnäpfchen, Erdbeben und Taifunen unser Matchplan für diese Reise aussieht? Wir landen zunächst einmal am Sonntag früh (Ortszeit) in Tokio, die größte Metropole weltweit. Knapp 40 Millionen Einwohner und damit überschaubare 11x mehr als Berlin. Und die sicherste Stadt der Welt. Auf Platz 3 liegt Osaka, wo wir früher oder später auch mal vorbei kommen werden.

Schon am Dienstag geht’s weiter Richtung Fuji. Ein japanisches Sprichwort besagt, den heiligen Berg 1x zu besteigen sei weise. Ihn 2x zu besteigen sei dumm. Wir werden ihn 0x besteigen. Dazu gibt es kein japanisches Sprichwort, doch die 0 liegt eindeutig näher an der 1 als an der 2. Von daher mag unsere Entscheidung, den heiligen Berg nur von unten zu bestaunen nicht weise sein, aber sie ist auch ein Stück davon entfernt, dumm zu sein. Lustig übrigens, wie nah arithmetisch betrachtet Weisheit und Dummheit nebeneinander liegen.

Und danach? Wir gucken erst mal und sehen dann weiter. Zugegeben, es gibt ausgeklügeltere Pläne.

Eine Option für Aktivitäten ist ein Abstecher ins Gebiet rund um das 2011 zerstörte Atomkraftwerk Fukushima. Das ist tatsächlich über GetYourGuide möglich, ein Tagesausflug für 210 € pro Nase. In einer Netflix Doku-Serie namens Dark Tourist (hier geht’s zum Trailer) hat sich das jemand gegönnt. Zur Erläuterung: ein Dark Tourist ist einer, der bei der üblichen Feriendreifaltigkeit von Sommer, Sonne, Strand augenblicklich in ein kilometertiefes Gähn-Koma stürzt.

Also, der Dark Tourist hatte beim Ausflug einen Geigerzähler dabei. Dessen Zeiger schlug im Laufe des Ausflugs dezent aus. Die dabei angezeigten Strahlungswerte zeigten zwischenzeitlich fast das 40fache (!!!) dessen an, was gesundheitlich als gerade noch vertretbar gilt. Dabei war das AKW noch nicht einmal in Sichtweite. Wir hätten natürlich nichts gegen eine strahlende Zukunft! Aber bleiben wir bescheiden. Ganz so strahlend muss sie dann doch nicht sein.

Strahlende Zukunftsaussichten prophezeien so manche japanische Zeitgenossen auch einem buddhistischer Priester namens Kanno, der in einem 400 Jahre alten Tempel in Kyoto predigt. Unbegrenzte Weisheit soll er eines Tages möglicherweise erlangen und Fragen nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest beantworten können. Kannos Grundlage dafür sind jedoch nicht irgendwelche profanen Meditationstechniken oder so. Nein! Bei ihm ist es Künstliche Intelligenz, denn Kanno ist ein Roboter-Priester. Von daher kann seine Antwort auf alle Fragen nur 42 lauten. Na, mal schauen, was er so kann. Sein Pluspunkt: er dürfte ein Priester sein, der seine Finger von Kindern lässt.

Dabei bleibt er nicht der einzige Roboter auf dieser Reise. Fest steht auch, dass wir zum Abschluss 2 Nächte in einem Roboter-Hotel verbringen. Das Henn na hatte sich 2015 einen Namen als erstes Hotel dieser Art weltweit gemacht. Die Rezeptionisten, der Zimmerservice, die Bedienung am Frühstücksbuffet … alles Roboter. Der verheißungsvolle Slogan: „Unterhalte dich mit Robotern, die menschliche Wärme ausstrahlen und effizient arbeiten“. So ganz hat das bisher wohl noch nicht funktioniert, denn zuletzt entließ und ersetzte Henn na 200 seiner Roboter.

„Henn na“ ist übrigens japanisch für „jeck„, wie es in Köln so schön heißt heißt. Wobei sich die Frage stellt, wer die Jecken sind? Die Roboter oder doch eher so Gäste wie wir?

Die Antwort darauf überlassen wir euch bei der Lektüre der Reise-Blogs selber :-).

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