Fuji, Onsen und das Pathos

Fuji, Onsen und das Pathos

Was gehört zu Japan wie der Kölner Dom zu Köln? Der Fuji. Er wird gerne abgebildet, immer liegt Schnee drauf und davor Pagoden und Kirschblüten. Oder zumindest eines dieser hübschen roten Torii. Nach dem wir uns jetzt zwei Tage intensiv der eher jüngeren Kultur Japans gewidmet haben, nähern wir uns jetzt langsam den etwas gediegeneren Japan-Klischees.

Ihr habt es erraten, da man nur an wenigen sehr guten Tagen den Fuji von Tokio aus sehen kann – hat Jörg als quasi nachträgliche Feier unseres 20 jährigen Zusammenseins, ein traditionelles kleines Luxushotel am Fuße des Fuji gebucht. Die Tradition geht auf die Übernachtungsmöglichkeiten für Reisende in Klöstern zurück. Und nennt sich Ryokan. Die Zimmer sind mit Tatami-Matten ausgelegt, man schläft auf einem Futon, der erst am Abend installiert wird. Dazu gibts meistens Abendessen und Frühstück inklusive. Herr Schmitz hat zur Feier des Tages ein fünf Gänge Menü gebucht.

Die Anfahrt erfolgte in einem bequemen Reisebus. Wir kamen an – und wirklich in dem Moment als wir unser Gepäck entgegennahmen, fing es an wie aus Kübeln zu schütten. Ein wenig angeweicht liefert uns das Hotel-Taxi im Hotel an. Wichtigste Aktion: Schuhe abgeben. Sie verschwinden in einem Schrank. Wir tragen für die 3 Meter zu unserem Zimmer Hausschuhe. Dann werden auch die ausgezogen. Im Wohnbereich darf man ohne Schlappen. Nur auf Toilette stehen noch mal spezielle Toilettenschlappen. Die Toilette ist ca. 1,5 qm groß.

Neben Schiebewänden aus Holz und Papier gibt es wenige sehr niedrige Einrichtungsgegenstände. Und das allerwichtigste – wir haben ein privates Onsen, eine Art Freiluftbadewanne. In diesem Fall eine aus Steinen gemauerte Wanne mit ca. 41 Grad warmem Wasser. Draußen. Im prasselnden Regen. Mit heftigem Gewitter. Keine Frage, das erste was wir nach dem abstellen der Reisetaschen und der üblichen Formalien machen ist: erstmal Baden.  Selbstverständlich reinigt man sich, bevor man in die warme Wanne steigt. Zu was wäre sonst die Dusche gut? Erstaunlicherweise begegnen uns auf dem Weg durchs Bad zum Onsen keine weiteren Schlappen. Es regnet. Es donnert. Wir haben Spaß.

Unser Oasen, eine Art Freiluftbadewanne mit gut 40 Grad warmen Wasser.

Nächster Programmpunkt: Um 17 Uhr wird das Bett aufgebaut. Pünktlich. Nicht auf die Minute, sondern auf die Sekunde. Das Abendessen haben wir auf 18.30 h terminiert – das japanische Frühstück morgen um 8.30 h.  Organisation und Pünktlichkeit. Ein weiteres Klischee.

Schnickschnackfrei. So beschreibt Herr Schmitz den Ryokan-Style.

Wie angekündigt wurden wir um Punkt 18.30 h zum Abendessen abgeholt. Nach zweimal Schuhwechsel – diesmal waren diese lustigen Geisha-Schuhe in Puppengröße involviert, da 15 m im Freien zu überwinden waren. Dann wieder Schlappen. Selbstverständlich habe ich versucht die auszuziehen als ich unseren Essensraum betrat. Das Lokal bestand aus mehren quadratisch mit Schiebetüren/ wänden abgeteilten Räumen, Und zu meiner großen Freude – richtigen Stühlen an einem schlichten Esstisch.

Auf dem schlichten Esstisch standen zwei Vorspeisen-Platten die mit der Beschreibung „Ikebana zum Essen“ ganz zutreffend beschrieben wären. Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte Jörg war „ergriffen“ von so viel Anrichtekunst. Nebenbei freute sich nicht nur das Auge – auch der Gaumen kam auf seine Kosten.

Ich habe mich heute eigentlich beim bloggen vorgedrängelt, da nach dem spektakulären Gewitter-Bad abzusehen war, dass Jörg ein wenig überwältigt vom traditionellen Japan und dem chicen Hotel ist. Langsam kommt mir der Gedanke, dass ich hier keine wortgewaltigen Schwärmereien verhindere, sondern selbst ein wenig in die Pathos-Schatulle greife.

Für den Rest des Essens – der Höhepunkt war japanisches Beef auf heißem Stein – lassen wir hier Bilder sprechen. Und ich plane schon mal 100 Yen in die Worthülsen-Sparkatze ein.

 

Jörg verarbeitet den blogfreien Abend bei einem Nachtbad im Onsen. Keine Sterne. Aber leichter Regen. Bei vermutlich um die 28 Grad Lufttemperatur. Den Fuji haben wir noch nicht gesehen. Dazu müssten wir das Zimmer verlassen.

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