Fuji-Perspektiven

Fuji-Perspektiven

135 Grad. Mit Sicherheit exakt 135 Grad und nicht etwa 134 oder 136. In diesem Winkel zwischen Beinen und Oberkörper verbeugen sich 2 mit Kimonos bekleidete, im Hotel angestellte Damen bei der Verabschiedung am Morgen. Wir wechseln nach der einen Nacht, denn Luxus hat auch hier seinen Preis.

Nur 500 m weiter liegt im Örtchen Kawaguchiko der gleichnamige See mit dem gleichnamigen Hotel. Einer der Ausgangspunkte im Land zum Fuji-Gucken. Die beste Aussicht in der Gegend verspricht ein kleiner, dicht bewaldeter Berg direkt am See. Ein schmaler Fußweg windet sich dort hoch. Das wäre eine Möglichkeit. Doch die Wetter-App zeigt mal wieder gefühlte 46 Grad an. Das deckt sich mit unserem Temperaturempfinden. Also gehen wir einfach ein paar Schritte weiter, denn dort befindet sich praktischerweise eine Seilbahn. Sie ist nicht zu übersehen, denn gleich am Eingang weisen ein comicartiger Hase und ein ebensolcher Biber als Maskottchen den Weg.

Überhaupt ist die Maskottchendichte äußerst hoch. Jedes Dorf soll eins haben, Supermärkte … sogar Finanzämter. Also jedes lokale eins, nicht eins für alle. Die Türe der Gondel wird von einer freundlichen Dame geöffnet, es wird eng darin. Als wir hochfahren verabschiedet sie uns sekundenlang mit einer 135 Grad Verbeugung.

Oben angekommen begrüßen uns wieder Hase und Biber-Maskottchen. Endlich können wir auf den heiligen Berg Japans selber einen Blick werfen. Zahlreich sind die Ansichtsmöglichkeiten: wir sehen den Fuji mit Schneekuppe und wenig später ohne. Wir sehen ihn mit Wolkenkrone und ohne. Wir sehen ihn wie eine Ikone strahlend und noch strahlender. Der ganze Kiosk auf dem Berg ist voller fantastischer Fotos. Doch wo der Fuji tatsächlich sein soll, können wir nur leise erahnen. Wolken, Wolken und nochmals Wolken ist alles, was wir erblicken.

Wir konnten von der Aussichtsplattform zahlreiche Perspektiven auf den Fuji genießen ;-)

Immerhin, laut Reiseführer durchfluten Endorphine den Japaner an sich alleine schon durch die Nähe zum Fuji. Dies mag erklären, warum ein Pärchen Richtung Fuji blickend ehrfürchtig ein Lied anstimmt.

Ein künstlerisch wertvoller Blick auf die Wolken vor dem Fuji.

Auch mich durchfluten kurz darauf Endorphine, denn beim „Kawarake“ räume ich kräftig ab. Hierbei wirft man 2 Mini-Untertassen durch eine Schlinge in etwa 2 m Entfernung. Die Regeln sind hart und klar: Wer die Schlinge 2x verfehlt, ist was Beziehungen angeht schlichtweg ein Looser. Wer 1x trifft, dessen Beziehung ist halbwegs ok. Wer 2x trifft, der darf sich glücklich schätzen, eine ganz besondere Beziehung zu haben. Ich will an dieser Stelle ja nicht angeben (quatsch, natürlich will ich das!), aber ratet mal, wer souverän 2x getroffen hat? :-)

 

Da der Ausguck zum Fuji kaum Schatten spendet und wir uns langsam wie Grillfleisch vorkommen, fahren wir wieder runter. Übrigens schmücken das Dach der Gondel ebenfalls 2 Maskottchen: So etwas wie aufrecht gehende Biber-Bären-Mischlinge mit Strohhüten bedeckt und einen Bambusstab haltend, was sie als Pilger kennzeichnet.

Unten angekommen entschließen wir uns gleich für eine Bötchenfahrt über den See. Das verspricht zumindest etwas frischen Fahrtwind. Nach ein paar Minuten bricht bei den japanischen Mitreisenden auf dem Boot Jubel aus. Denn plötzlich ist er tatsächlich zu sehen: der Fuji, immer noch bis zur Hälfte von einem Wolkenkranz umgeben, aber der obere Teil und die Spitze ist eindeutig zu sehen. Auch wir sind begeistert. Irgendwie wäre es doch schade gewesen, wenn wir ihn nicht zu sehen bekommen hätten.

Da isser endlich, der Fuji. Und jetzt auch in echt.

Am Nachmittag kehren wir in unser neues Hotel zurück. Von unserem Zimmer aus hat man tatsächlich freien Blick auf den Fuji. Und das hauseigene Onsen bietet sogar ein Panoramafenster mit diesem Ausblick. Also legen wir uns in das warme Wasser, genießen die Aussicht und lassen den Tag entspannt ausklingen.

P.S.: wer sich etwas ernsthafter mit dem heiligen Berg Japans beschäftigen möchte, dem empfehlen wir den Artikel „Der Berg Fuji in der japanischen Kunst

2 Replies to “Fuji-Perspektiven”

  1. Ha! In unserem mathematisch teilweise hochbegabten Haushalt hält man sich am 45 Grad Winkel zwischen Beinen und Oberkörper auf…. du meinst 135 Grad, gell? Oder gehen die echt so weit runter?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

captcha *