Tausend Tore – tausend Flüche

Tausend Tore – tausend Flüche

Wir waren am Sonntag morgen nicht alleine auf dem Weg zum Fushimi Inari Shrine, eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Japans. Tausende zinnoberrote Tore (Torii) dicht hintereinander zu einem Tunnel an einen Berghang drapiert. Im Tor ein Mädchen mit erhabener Pose – den Insta-Boyfriend sieht man ja nicht auf den kleinen Instagram-Kunstwerken – so kennen wir das von unserer Insta-Reisevorbereitung. 

Nun ihr habt es euch schon gedacht – es waren viele Insta-Girls und viele Insta-Boyfriends. Sehr viele. Eine wahre Menschenmasse ergoss sich aus dem Vorortzug direkt auf den Vorplatz des Tempels. Man wird an großen steinerne Fuchsstatuen vorbeigeschoben. Sie sehen ein wenig genervt aus. Wir beherrschen uns. Das gehört halt zum Touri-Spiel dazu. Ist etwas schön und bekannt, dann ist man halt nicht alleine unterwegs. Und Enge sind wir ja mittlerweile etwas gewohnt. Wir schieben uns also mit der Masse den Berg hinauf. Die Sonne scheint – die gefühlte Temperatur geht wieder gegen irgendwas mit einer 4 am Anfang.

Nicht im Bild: Die Menschenmassen, die durch diese Tore strömen.

Ein paar hundert Meter den Berg hoch – es werden nicht viel weniger Menschen – beginnen wir langsam zu ahnen wo die Fotos entstehen die wir bewundert haben.  Nur WANN entstehen die genau? Noch ein paar Meter weiter – gabeln sich die Tunnel – die Menschenmassen halbieren sich also. Jörg ist nicht unbedingt für seine Geduld bekannt – es sei denn es geht ums fotografieren, lesen oder er besucht wieder einmal ausgiebig hiesige Klos.

Während ich hauptsächlich mit schwitzen und wundern beschäftigt bin – legt er sich auf die Lauer. Er positioniert sich am unteren Ende des Torii-Tunnels der nach etwa 15 Metern eine kleine Rechtskurve macht – er verringert also trickreicher Weise die Strecke auf der er keine Menschen sehen möchte. Es dauert. Immer wieder biegt einer um die Ecke und läuft doch noch ins Bild. Pro Torii-Tor dürfte er auch etwa einen Fluch ausgesprochen haben, ehe er dann endlich ein Foto ohne Touistenmassen schießt.

Für einen sehr kurzen Moment Torii-Zen. Abwesenheit von Menschen. Die pure Aussicht.

Erleichterung kommt auf – doch dann will ich noch eins mit dem mitgebrachten Bausparfuchs haben. Echt jetzt? 

Wie meistens kriege ich meinen Willen – die geschickte Wahl des Aufnahmemodus machen die Anforderungen an den Hintergrund auch etwas einfacher. Ich bekomme mein Bild, das unter der Zuhilfenahme eines Rührstäbchens von Starbucks entsteht. 

#schwaebischhallistueberall – Der Fuchs ist im japanischen Shintoismus eine wichtige Figur. Er ist der Bote des Gottes Inari, zuständig für Getreide, Reis und Sake.

Ja und dann kämpfen wir uns Stufe um Stufe den Berg hinauf. Wie viele Torii genau? Darüber will mir google innerhalb von 5 Minuten Recherche leider nichts genaues verraten. Es sind Tausende. Alle Torii sind übrigens von Spendern  zur Verfügung gestellt. Vermutlich soll das Opfer an Inari dafür sorgen, dass niemals der Reis und der Sake ausgeht. Ist ja auch wichtig. Sonst müssten wir ja die ganze Zeit Beef und Udon Nudeln essen.

Nach etwa 2/3 der Strecke bis zum Gipfel gebe ich auf. Ich muss das ganze ja auch wieder runter. Auf dem Rückweg stoßen wir zufällig auf ein nettes Café mit einer Terrasse im Grünen, das Vermillion. Absolut empfehlenswert.   

Den Rest des Tages verbringen wir mit einem Bummel über den Nishiki-Market. Überdachte Einkaufsstraßen mit Läden und Shops in denen man von der Militärausrüstung bis zum Babyspielzeug wirklich alles bekommt. Highlight war ein Sticker-Shop in dem ich – unter dem kritischen Blick von Herrn Schmitz – meine ersten Reiseandenken erstanden habe. Sie haben in der Brieftasche Platz. Das große Kuscheltier kaufe ich mir natürlich erst auf dem Heimweg. 

Als letztes Highlight des Tages besuchen wir noch ein Yakiniku- Restaurant. Eine Art do-it-your-self am Tisch Barbecue. Das war sehr lecker, und hat Spaß gemacht. Website hat der Laden nicht, außerdem besteht er auf Cash – aber die Leute waren sehr, sehr nett und haben uns alles geduldig erklärt. Hat leider keine Website – deshalb hier der Link zum Standort

Yakiniku mit Wagyu-Beef und Alibi-Gemüse. Wichtig: Professioneller Rauch-Abzug über dem Grill.

Auf dem Heimweg werden wir sicher nochmal ein oder zwei Nächte hier in Kyoto verbringen. Zu mal wir das Gefühl haben nicht mal 1 % von Kyoto gesehen zu haben.

2 Replies to “Tausend Tore – tausend Flüche”

  1. Auf dem weiteren Weg zum Gipfel wären noch mehr Tore und noch mehr Füchse gewesen. Und der heiligste aller Inari Schreine – mit dem Allerheiligsten – einem Spiegel. Und mit Sicherheit auch noch weitere Fressbuden und Kioske.
    Und zum Thema Wettbewerb mit dem griffigen Titel: #schwaebischhallistueberall – da kann ich nicht teilnehmen, sonst würde Dieter Bohlen ja DSDS gewinnen.

  2. Mich quälen 2 Fragen: was wäre oben auf dem Berg, den du zu 2/3 bestiegen hast, gewesen? Aussicht? Erleuchtung? Gipfelhütte?
    Und zweitens: läuft der bausparkasseninterne Wettbewerb („ich schleppe meinen Bausparfuchs mit hinaus in die Welt“, sorry, der originale Titel ist mir entfallen) noch und wirst du ihn jetzt gewinnen?

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