Ein Sonntag in Osaka

Ein Sonntag in Osaka

Die materialistische Welt des schieren Überflusses hat uns wieder. Nach unserem Ausflug in die buddhistische Bergwelt Japans  hat mir der Kaffee bei Starbucks nochmal so gut geschmeckt. Könnte auch ein wenig Koffeinentzug dabei gewesen sein. Aber spätestens bei dem superleckeren Schweinebraten-Ramen gestern Abend irgendwo im quirligen Dotonbori Viertel – war klar: es geht schon ohne – aber lieber habe ich es mit ein wenig Trubel ;-).

Außerdem scheint es ja auch fußballmäßig nicht wirklich etwas zu bringen – das frühe Aufstehen und Feuerzeremonie beiwohnen bis die Augen vom Rauch tränen. 

Heute wurde in guter Sonntagsmanier gründlich ausgeschlafen. Im weichen 140cm Doppelbett. Auf dem Programm für heute: Tsunami Prevention Center und Osaka Castle. In dieser Reihenfolge. Nachdem uns diese Riesenbahnhöfe mit mehren Linien und Linienbetreibern schon häufiger vor kniffelige Rätsel gestellt haben – war das heute morgen auch nicht viel anders. ABER wir haben noch nie aufgegeben und sind noch immer da angekommen wo wir hinwollten. Vielleicht nicht immer optimal schnell – aber das Bahnpersonal ist hier wirklich sehr nett, und manchmal können Sie sogar ein paar Worte Englisch. Und wenn nicht auch egal – wenn zwei Europäer vor ihnen stehen und mit ihren Suica-Karten winken, wissen sie „mistake“. Bedeutet – zwei Doofe sind mal wieder dem falschen Hinweis hinter eine Bezahl-Schranke nachgerannt – und kommen jetzt nach bemerktem Irrtum nicht mehr raus. 

Das Tsunami Prevention Center ist jetzt nicht dolle aufregend – zeigt aber ganz schön, wie über die stetig drohende Gefahr eines Tsunamis informiert wird. Und was alles getan wird. 

Heute war es zwar nicht sonderlich heiß laut Thermometer aber wahnsinnig schwül. Irgendwas um die 80 % Luftfeuchtigkeit. Das hat uns gegen Mittag so ermüdet, dass wir uns mindestens zwei Stunden auf einer Parkbank mit direktem Blick auf das Osaka Castle ausgeruht haben.  

Zwei Stunden auf einer Parkbank vor dem Osaka Castle. Besser kann man einen schwülen nachmittag in Osaka nicht verbringen.

Ein wunderbarer Nachmittag. Leute beobachten, recherchieren wo eigentlich die ganzen Touristen herkommen,  nämlich aus China und Südkorea. Mal ein Foto machen, einem Japaner zuhören wie er Englisch mit einer Touristin aus Polen übt. Bis es dann doch irgendwann anfing zu regnen.

Osaka Castle. Geht zurück aufs 16. Jahrhundert wurde aber in den 30er Jahren aus Beton gebaut

Für den Abend hatten wir uns noch das etwas weniger laute Vergnügungsviertel Shinsekai vorgenommen, das um einen Eiffelturm Nachbau aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts (Tsutenkaku) herum entstanden ist.

Dessen Charme sind wir sofort erlegen. Man fühlt sich dort ein wenig aus der Zeit gefallen. Die Fahrt auf den Turm war sicher auch in den siebziger Jahren so ähnlich. Die Aussichtszone ist eher klein, sehr bunt und wir lernen viel über den Gott der „Dinge wie sie sein sollen“ – dem Billiken. Einer Erfindung aus USA, das eigentlich so eine Art Maskottchen für eine Automarke sein sollte. Und auf Maskottchen stehen Japaner. Echt mal. Ein weiteres  Stockwerk auf dem Weg nach unten ist Miku Hatsune gewidmet. Einem blauhaarigen Anime Mädchen, Maskottchen einer Software und erste synthetische Pop-Ikone. Was wären wir ohne Wikipedia. 

Was das alles mit dem Turm zu tun hat? Ich weiß es nicht. Weiter auf dem Weg nach unten erfahren wir auch noch einiges  über die Marke glico (die vom glico-Sign) da ist noch ein wenig der Zusammenhang über die 30er Jahre herzustellen. 

Im Laufe unseres Turmbesuches ist es dunkel geworden. Jetzt ist das Viertel wunderschön nostalgisch bunt. Wir essen noch was in einem Laden das von einer Riesenkrake bewacht wird und suchen uns dann müdegekuckt unseren Heimweg durch die Metro. Ein schöner Sonntag. 

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