Kunst ohne Schuhe

Kunst ohne Schuhe

Strahlendster Sonnenschein. Weitläufige Sandstrände. Eine kleine Insel im japanischen Binnenmehr Seto. Das klingt nach Sonnenbaden und Badespaß. Doch auf der kleinen Insel Naoshima stehen spektakuläre Kunstwerke in Kombination mit moderner Architektur im Focus.

Natürlich! Wir müssen mal wieder zunächst die Schuhe ausziehen. Eine Bedienstete des Chichu Art Museums weist uns äußerst freundlich darauf hin. Wer durch Japan allen Ernstes in Schnürsenkelschuhen reist, wird früher oder später einen Nervenzusammenbruch erleiden.

Graue, hohe, karge Betonwände umgeben uns. Kaum sind unsere Füße in den bereitgestellten Slippern, dürfen wir hinter der Betonwand hervortreten. Es öffnet sich ein quadratischer, komplett in weiß gehaltener aber unbeleuchteter Raum, der sich nach etwa 15 m in einen weiteren, vom Fußboden bis zu den Wänden großen, weißen, von Licht durchfluteten Raum öffnet. In diesem hängen 5 großformatige Seerosenbilder von Claude Monet. Ja, echte Monets. Der Effekt der riesigen Bilder in einer völlig weißen, hellen Umgebung dürfte selbst für Kunstbanausen atemberaubend sein. Wir sind uns einig, so etwas noch nicht gesehen zu haben.

Das Museum ist so eine Art verschachtelter Betonkomplex, der vorwiegend mit Licht und Schatten spielt. Ich bin nicht so der Fan von Beton. Doch hier wirkt das Ganze auf mich teilweise schon erhaben. 2 weitere Räume bringen uns zum Schuhe aus- und -anziehen und Staunen. Doch leider sind Fotos innerhalb des Komplexes nicht erlaubt. Was uns natürlich nicht daran hindert, hier und da doch welche zu schießen. In den Kunstsälen selber ist uns das leider nicht gelungen, aber in den Gängen des Museums schon. Hier ein kleiner Eindruck:

Wenn ihr die Website des Museums runterscrollt, erhaltet ihr noch ein paar mehr Eindrücke.

Die Idee zum Tagesausflug nach Naoshima kam von Beate gleich zu Beginn unserer Reisevorbereitungen. Deshalb sollte sie eigentlich auch diesen Blog verfassen, zumal als ehemalige Studentin der Kunstgeschichte. Außerdem wäre sie heute eh dran. Doch Kunst kann nicht nur inspirieren, sondern ganz offensichtlich auch furchtbar ermüden. So liegt sie jetzt um 21:45 Uhr neben mir im Bett, gähnt anhaltend vor sich hin und würdigt das heute gesehene wohl nur im Geiste.

Immerhin: Möglicherweise aufgrund ihrer kunstgeschichtlichen Vergangenheit kennt sie schon lange die beiden avantgardistischen, übergroßen Kürbisskulpturen der Künstlerin Yayoi Kusama. Der gelbe und der rote Kürbis schmücken seit den 90er Jahren die kleine Insel und sind ein überaus beliebtes Fotomotiv. Hier lässt sich gut studieren, wie sehr „Instagramability“ einen Ort so richtig pushen kann. So gesehen schlägt Naoshima einen wunderbaren Bogen von Beates Vergangenheit hin zu ihrem aktuellen Job als Social Media Managerin.

Und ich schlage jetzt noch einen kleinen Bogen zum Thema Schuhe an- und ausziehen: Ich muss dringend auf Toilette. Um mich korrekt zu verhalten, schlüpfe ich dafür zunächst in die vom Hotel bereitgestellten Hausschlappen, gehe in ihnen 3 Schritte bis zur Toilette, ziehe sie aus, nutze die extra für den 1,5 qm kleinen Toilettenraum zur Verfügung gestellten Schlappen, erledige mein Geschäft, ziehe die Toilettenschlappen wieder aus, ziehe die Hausschlappen wieder an, gehe bis zum Bett, ziehe sie wieder aus und bin spätestens dann ebenso müde wie Beate. In diesem Sinne: *gähn und tschüss bis morgen :-). 

2 Replies to “Kunst ohne Schuhe”

  1. Meistens sind es (zu kleine) Plastiklatschen, ähnlich den Adiletten. In Hotels haben wie aber z.T. schon täglich ganz neue aus Polyester erhalten.
    Hier wird streng zwischen reinen und unreinen Orten unterschieden. Früher waren die Toiletten außerhalb des Hauses, die Schuhe wurden deshalb beim Gang zum stillen Örtchen angezogen. Fehlverhalten wird wohl mit Verachtung bestraft.

  2. Die Hausschuhe sind dann schon gebraucht oder? Dabei fällt mir ein, dass 75% meiner Familie entgegen meiner Empfehlung OHNE Hausschuhe unterwegs sind… werden die in Japan bestraft?

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