Toiletten-Usability

Toiletten-Usability

Das kölsche Liedgut besteht ja glücklicherweise nicht nur aus so seltsamen Werken wie „Die Karawane zieht weiter“ o.ä. Manche Lieder sind melancholisch. Manche zweideutig. Viele handeln von Alltäglichkeiten. Wie etwa ein alter Song der Bläck Fööss, „Et Kackleed“. Übersetzt lauten die beiden ersten Zeilen:

Lass uns ein Liedchen vom Kacken singen

Kacken ist eine herrliche Sache

Der einer oder andere in unserer geneigten Leserschaft mag sich nun fragen: ist der Schmitz in seiner analen Phase hängen geblieben? Nun, ich hoffe nicht. Denn seit vielen Jahren ist mir Et Kackleed nicht mehr durch den Kopf gegangen. Anders hier in Japan. Der Grund dafür: die hiesigen Toiletten. Das gilt nicht nur für Hotels, sondern auch für die öffentlichen. Auffällig, wie unglaublich sauber sie sind, selbst an Bahnhöfen. Blitzblank poliert! Immer! Natürlich ist auch mehr als genügend Toilettenpapier vorhanden.

Auf den ersten Blick wirken sie jedoch verwirrend. So mancher Toilettendeckel hebt sich Dank Bewegungssensor automatisch, sobald man den Raum betritt. Ok, erst einmal hinsetzen. Ups … die Klobrille ist angenehm warm. Nicht, weil bis vor wenigen Sekunden noch jemand drauf gesessen hätte. Nein. Sie ist beheizt. Ja, richtig gelesen, angenehm beheizte Klobrillen!!!

Neben einem Knopf oder Hebel zum Abzug sind an der Toilette selber oder an der Wand noch zahlreiche weitere Knöpfe zum Drücken angebracht. Glücklicherweise wird ihre Funktion meist mit Symbolen dargestellt. Es hilft aber auch, ein Handy mitzunehmen, um sich auf YouTube in Ruhe Bedienungsanleitungen anzusehen.

Sieht etwas kompliziert aus. Doch nach einer kurzen Einarbeitungszeit fragt man sich: wie konnte ich je ohne leben?

Dabei stehen dem erstaunten Toilettennutzer zwei oder drei Wasserstrahl-Varianten zur Auswahl, die verschiedene Intimbereiche säubern. Selbstverständlich lässt sich dafür auch noch die Druckstärke der Wasserstrahlen manuell einstellen, von Sprühnebel bis zu mehr so Hardcore-Gartenschlauch-Druck. Von letzterem rate ich jedoch ab.

Wobei kalte Wasserstrahlen natürlich eine echte Zumutung wären. Deshalb lässt sich, wie sollte es auch anders sein, auch die Temperatur der Wasserstrahlen noch manuell anpassen. Da der Erleichterungsvorgang an sich zuweilen unschöne Geräusche hervorbringt, lassen sich diese mit dem Drücken eines Soundknopfes übertönen. Was dann über Lautsprecher schallt, klingt nach einem tiefenentspannenden Sommerregen im Wald.

Symbole helfen. Doch vorsicht! Wer zu weit vorne sitzt, dem spritzt es mal eben den Rücken hoch.

Bei so viel Komfort mag der eine oder andere toilettenverwöhnte Nutzer sich zurecht die Frage stellen: muss ich jetzt etwa zum Abschluss meiner Geschäfte selber die Spülung bestätigen? Nein, natürlich nicht – zumindest in sehr vielen Fällen nicht. Selbstverständlich sorgt ein Sensor dafür, dass sich die Spülung, sobald man/frau sich erhebt, automatisch einsetzt. Auch dies gilt oft genug auch für öffentliche Toiletten – eben eine echte Erleichterung (Wortspiel-Hölle im Toiletten-Paradies).

Stellt sich für uns die Frage: Wie müssen Japaner bei USA- oder Europareisen klotechnisch empfinden? Zutiefst barbarisch. Übelst versifft. Finsterstes Mittelalter.

Ungewohnt aber wassersparend: im Spülkasten integriertes Waschbecken. Der Wasserfluss stoppt automatisch, sobald der Spülkasten voll ist.

Übrigens ist man in Japan nicht nur auf dem Klo ein König, sondern auch als Kunde! Dazu in einem späteren Blog mehr. Ich selber komme jetzt aber zum Ende und begebe mich gleich Richtung Toilette – mit einem fröhlichen Liedchen auf den Lippen. Ihr wisst schon welches :-)

 

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