Wenn’s mal läuft – dann läuft’s

Wenn’s mal läuft – dann läuft’s

Auf zum goldenen Tempel – die letzte hochgelobte Sehenswürdigkeit auf unserer Kyoto-Todo-Liste. Busfahren war angesagt – nach der Einnahme eines  sehr pragmatischen Frühstück in Lawsons Station einem idyllischen 24h Supermarkt. Diese Art des Frühstücks gehört hier zur Folklore. Leider ohne Kaffee – aber das ist dann eine längere Geschichte.

Bus kommt, wir erweisen uns mittlerweile als kompetente Ratgeber für englische Neu-Touristen, erklären geduldig wo man einsteigt, wann man bezahlt und wo man wieder aussteigt. Wir kommen an der Haltestelle des Kinkaku-Ji an. Viele andere Touristen sind schon da. Wir bezahlen Eintritt und bekommen dieses mal eine sehr schöne Eintrittskarte, die wie üblich keiner wirklich kontrolliert.

Dann biegen wir nach einem längeren One-Way mit dem üblichen Wegweisung gebenden älteren Herrn am Ende links um die Ecke und die Menschenmasse gerät ins Stocken. Wir stehen am Rande eines Sees in dem sich die angepriesene Sehenswürdigkeit der „Goldene Pavillon“ postkartenmotiv-würdig spiegelt. Wir stehen einigermaßen geordnet für ein Foto ohne Selfie-Knipser drauf an. Das gelingt uns nach einigen Minuten, Jörg ist so begeistert von seiner Eintrittskarte und neuerdings im Instagram-Story-Fieber, dass er eine Weile im Gewusel abtaucht und Fotos von der Eintrittskarte macht. Mal am Bambuszaun, mal auf dem Kiesboden.

Der goldene Pavillion glänzt und spiegelt sich. Da war noch alles gut.

Ich treffe derweil zufällig eine Pärchen mit einem Schwäbisch Hall Unicorns T-Shirt. Das ich sofort spontan anspreche und wissen will, ob Sie aus Schwäbisch Hall sind. Ich höre noch ein „Nein“ und dann haben sie sich auch schon wieder weggedreht. Nun ja. Kaum habe ich mich von dieser Seltsamkeit erholt, bekomme ich mal wieder die Frage gestellt – „hast Du meinen Geldbeutel?“

Diese Frage ist in sofern relevant, da Jörg in diesem Urlaub unsere Barmittel verwaltet. Die wir fast häufiger benötigen als diverse Kreditkarten. Ich antworte: Nö. Hab ich nicht. Mir treffen erschreckte, verzweifelte Blicke. Ein hektisches Abtasten beginnt – ich taste selbstverständlich mit. Nix. Das Adrenalin schießt Herrn Schmitz sichtbar aus den Poren. Wer ihn ein wenig kennt, weiß auch, dass jetzt diese kleinen Schmitz-Mantras ertönen. Scheiße-Scheiße-Scheiße. Immer wieder. Dazwischen so was: Wie kann das bloß sein… etc. Ich bin eigentlich vor allem hitzematt und mache kluge Vorschläge. Wie: suchen wir da, wo Du das Foto gemacht hast mit der Eintrittskarte. Da dort eh alles voller Leute ist, ist das ziemlich zwecklos. Dann zurück zur Kasse – vielleicht ist der Geldbeutel dort liegengeblieben. Auch nix. Allerdings bekommt Jörg dort den Hinweis auf ein lost & found Büro. 

DIE Eintrittskarte

In der Zwischenzeit haben wir festgestellt, dass es nicht so schlimm ist, dass uns der Tempel und sein drumrum mit den vielen Leuten nicht mehr sehr interessiert. Da ist auch nicht weiter viel. Die nächste Stunde vergeht mit vielen Schmitz-Mantras, diversen Besuchen im lost & found und der verzweifelten Suche der Kreditkartennummer einer der Karten in der Börse um sie gleich sperren lassen zu können. 

Selbstporträt von Jörg direkt nach dem Bemerken des Geldbörsenverlustes.

Kurz und gut: Der Geldbeutel findet sich tatsächlich wieder. Er wurde in einem Souvenirshop abgegeben. Mit Händen und Füßen muss Jörg dort beschreiben, dass er der mit der verlorenen Börse ist, und bekommt tatsächlich seinen Geldbeutel zurück. Es fehlt nix. Und er bekommt den Ratschlag, die Eintrittskarte besser aufzuheben. Die würde wohl Glück bringen. 

Glück hat dann auch der erste und einzige Bettler der uns in Japan bisher über den Weg läuft. Das Glück über die wiedergefundene Geldbörse beschert ihm ein paar Euro, die Jörg gerne gibt. 

Ich verkneife mir so gut es geht alle Sprüche – aber es ist eh viel zu warm und ich bin erstmal froh, dass wir wieder flüssig sind um uns am nächsten Automaten mit kühlen Getränken zu versorgen. 

Wir gondeln mit unserem Bus zurück in die Stadt. Erstmal Mittag. Wir entscheiden uns heute für Gyoza – sieht ein wenig aus wie gebratene Maultaschen, ist aber etwas anders gefüllt. Und dann – ihr erinnert euch – ICH hatte noch immer keinen Kaffee. Und mein innigster Wunsch seit ich mich auf Japan per Instagram vorbereitet habe war: einmal im Starbucks im Gion Viertel, Kaffee trinken. Dafür hatte ich heute morgen auf Kaffee verzichtet. 

Und? Es war so schön und entspannend nach dem ganzen Hickhack heute morgen. Ich habe mich deshalb gleich zweimal in die Schlange gestellt und zwei Kaffee getrunken. Und Herr Schmitz, kein expliziter Starbucks-Fan!? Er war ebenfalls begeistert vom traditionellen Stadthaus-Ambiente und verlieh der Location den hochverdienten Titel: „Schönster Starbucks ever“. 

Starbucks in einem traditionellen Machiya (Stadthaus) …
… mit Tatami-Matten und viel Atmosphäre. Ninenzaka-Straße, Gion-Viertel
Diese Liebe muss noch frisch sein. Dieser Instaboyfriend hat sicher eine halbe Stunde lange seiner Freundin beim Selfies machen assistiert.

So gestärkt und ausgeruht haben wir anschließend bei tiefstehender Sonne ausgiebig Abschied genommen vom Hokanji Temple und dem typischen Kyoto-Flair dieses Stadtteils. Leider hat dabei Jörg auch noch den heutigen Battle um das beste Foto des Tages gewonnen. Wenn’s mal läuft – dann läufts. 

Niemand schleicht sich so gekonnt an Kimono-Girls heran wie Jörg Schmitz. Ein Glück, dass die Mädels meist so mit Selfies beschäftigt sind, dass sie den Selfie-Sneaker nicht bemerken.

 

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