{"id":2740,"date":"2018-09-29T05:00:44","date_gmt":"2018-09-29T03:00:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.all-about-schmitz.de\/wordpress\/?p=2740"},"modified":"2018-09-30T05:50:59","modified_gmt":"2018-09-30T03:50:59","slug":"wracktauchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.all-about-schmitz.de\/wordpress\/blog\/wracktauchen\/","title":{"rendered":"Wracktauchen"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Der Ausblick, der sich dem US-amerikanischen Piloten des B24 Bombers am 3. Mai 1945 bietet, k\u00f6nnte paradiesischer kaum sein. Das Wetter ist wunderbar, die Sonnenstrahlen spiegeln sich im tiefblauen Meer, aus dem sich eine \u00fcppig tropisch gr\u00fcne Vulkaninsel erhebt, mit einer Handvoll, etwa 200 bis 300 hohen Kegelbergen. Rechts neben den Kegelbergen erkennt er vielleicht noch das kleine, malerische Stelzendorf, rund zweidutzend Holzh\u00fctten, die vom Ufer ins Meer hineinragend gebaut wurden.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Doch wahrscheinlich hat er kein Auge f\u00fcr all das. Er und 10 weitere Angeh\u00f6rige der US-Armee, die im Flieger sitzen, gehen wahrscheinlich jeder durch seine eigene H\u00f6lle. Ein technischer Defekt zwingt die viermotorige Propellermaschine zur Landung. Der \u00fcppige Dschungel und die Berge lassen keine Notlandung an Land zu. Die einzige Chance ist eine Landung zu Wasser. <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Dem Piloten gelingt eine fliegerische Meisterleistung. Etwa 300 m vor dem kleinen Dorf kommt der Bomber auf dem Meer zum stehen. Die 22 m lange und 17 m breite Maschine sinkt zwar im Laufe der n\u00e4chsten Minuten, aber alle 11 Insassen retten sich in das nahegelegene Dorf.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die Stelle, an der der Bomber gesunken ist, markiert heute eine runde, wei\u00dfe Boje. In 25 m Tiefe ruht er dort seit diesem 3. Mai vor 73 Jahren. Zusammen mit einem Schweizer P\u00e4rchen, beide Anfang 30, will ich mit unserem Tauchguide Dorian dort hinuntertauchen. Mein erster Tauchgang nach meinem Kurs. Entlang der Bojenleine lassen wir uns langsam in die dunkle Tiefe hinab. Die Sicht betr\u00e4gt nur eine Handvoll Meter. Ein Blick von oben in der Totalen auf das Wrack ist nicht m\u00f6glich.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Ziemlich pl\u00f6tzlich taucht das Ende des linken Fl\u00fcgels kurz unter uns auf. \u00dcber den tauchen wir die 17 m bis zum Rumpf des Wracks langsam entlang. Zahlreiche Korallen und Pflanzen \u00fcberwuchern mittlerweile den Fl\u00fcgel. Die Propellerantriebe ragen vom Fl\u00fcgel ab. Im tr\u00fcben, gr\u00fcnen Wasser wirkt die Farbe der B24 sandgrau.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Am Ende des Fl\u00fcgels ist das Cockpit gut zu erkennen. Die Fensterrahmen sind noch halbwegs intakt, wenn auch zum Teil von Korallen bewachsen. Auch die Sitze des Piloten und Copiloten sind noch erhalten. Wir \u00fcberqueren den Flieger, tauchen langsam auf seiner rechten Seite hoch zur nach wie vor senkrecht hochstehenden, aber von zahlreichen gro\u00dfen Korallen \u00fcberwucherten Heckflosse.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_2737\" aria-describedby=\"caption-attachment-2737\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2737\" src=\"https:\/\/www.all-about-schmitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/tauchen2-600x450.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.all-about-schmitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/tauchen2-600x450.jpg 600w, https:\/\/www.all-about-schmitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/tauchen2-360x270.jpg 360w, https:\/\/www.all-about-schmitz.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/tauchen2.jpg 750w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2737\" class=\"wp-caption-text\">Einblick ins Innere des Bombers<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Auf dem Weg dorthin gibt ein ovales, etwa 1m hohes und 1,5 m breites Seitenfenster Einblick in das Innere. Ein paar Gegenst\u00e4nde liegen da noch auf dem Boden herum. Doch es ist zu dunkel oder sie sind schon zu sehr zugewachsen, als dass ich sie identifizieren k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Am Anfang des Bordgesch\u00fctzeslaufes hat eine Anemone erobert, die drei Clownfisch (Nemos) als Schutz nutzen. Nach gut 40 Minuten geht es wieder an die Oberfl\u00e4che mit einem dreimin\u00fctigen Dekommperssionsstop auf 5 m unterhalb des Meeresspiegels. Nichts mehr zu sehen von hier oben. Nur das hinabf\u00fchrende Seil der Boje zeigt an, wo das Wrack liegt. <\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Wieder auf dem Boot gibt es Tee und Kekse. Die Sonnenstrahlen spiegeln sich im Meer. Ich versuche mir vorzustellen, wie erleichtert die 11 nach der gegl\u00fcckten Wasserlandung gewesen sein m\u00fcssen. Wie sie r\u00fcber zum Dorf schwammen oder von Einheimischen in Boote gezogen wurden. Und ich bin mir sicher, dass sie danach doch noch die Sch\u00f6nheit der Landschaft genie\u00dfen konnten &#8211; zumindest fast so wie ich jetzt.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Ausblick, der sich dem US-amerikanischen Piloten des B24 Bombers am 3. Mai 1945 bietet, k\u00f6nnte paradiesischer kaum sein. Das Wetter ist wunderbar, die Sonnenstrahlen spiegeln sich im tiefblauen Meer, aus dem sich eine \u00fcppig tropisch gr\u00fcne Vulkaninsel erhebt, mit einer Handvoll, etwa 200 bis 300 hohen Kegelbergen. 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