{"id":2752,"date":"2018-10-03T00:29:20","date_gmt":"2018-10-02T22:29:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.all-about-schmitz.de\/wordpress\/?p=2752"},"modified":"2018-10-02T13:38:54","modified_gmt":"2018-10-02T11:38:54","slug":"geschmeidig-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.all-about-schmitz.de\/wordpress\/blog\/geschmeidig-bleiben\/","title":{"rendered":"Geschmeidig bleiben"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin ja u.a. ein staatlich gepr\u00fcfter Philosoph, also tats\u00e4chlich jetzt, kein Witz. Nat\u00fcrlich war da w\u00e4hrend des Studiums auch so manche Synapsenwichserei bei. Dennoch, es hilft zuweilen sich ein wenig in die antiken Klassiker zu vertiefen.<\/p>\n<p>So habe ich zum Beispiel bei Sokrates gelernt, dass man nie aufh\u00f6\u00adren sollte, Fragen zu stellen &#8211; und dass es nicht immer darauf ankommt, definitive Antworten zu finden, sondern den Weg dorthin zu beschreiten.<\/p>\n<p>Dementsprechend habe ich mir also in den Vorbereitungen dieser Reise die Frage gestellt, wie hoch wohl das Risiko eines Erdbebens auf Sulawesi sei. Im Grunde ist es so \u00e4hnlich wie bei einer Reise nach San Francisco. Es hat dort schon eine ganze Weile nicht mehr richtig gekracht. Aber die Erde wird ganz sicher irgendwann wieder mal \u00fcbelst beben. Und je l\u00e4nger es kein Beben mehr gegeben hat, desto h\u00f6her ist die Wahrscheinlichkeit, dass bald eins kommt. Es gab folglich in diesem Fall keine definitive Antwort f\u00fcr eine Risikoabsch\u00e4tzung f\u00fcr Sulawesi und die Togians. Also machten wir uns auf den Weg.<\/p>\n<p>Aristote\u00adles brachte mir bei, wie wichtig es ist, sich selbst ein Freund zu sein &#8211; und dass dies eine gute Basis f\u00fcr die Be\u00adziehungen zu anderen ist.<\/p>\n<p>Etwas anders formuliert: Wer nicht halbwegs mit sich selber klar kommt, kann nicht erwarten, dass andere mit ihm klar kommen. Gerade in etwas schwierigeren und un\u00fcbersichtliches Situationen wie jetzt nach dem Beben in Palu ist dies hilfreich. So ganz genau wissen Beate und ich noch nicht, wie es im Laufe der n\u00e4chsten Tage weiter geht. Uns fehlen einige Informationen rund um diese schreckliche Situation, um gute Entscheidungen zu treffen. Das wird sich \u00e4ndern, aber bis dahin m\u00fcssen wir mit einer gewissen Unsicherheit leben. Das kann Beziehungen auf die Probe stellen. Wahrscheinlich umso mehr im Urlaub, wo die Erwartungshaltung noch h\u00f6her sein kann als sonst. Von \u00c4ngsten getriebene Gem\u00fcter neigen da wohl dann schnell mal zu Panikentscheidungen. Doch letztlich kommt jeder von uns mit sich selber gen\u00fcgend gut klar, um gemeinsam mit den Unw\u00e4gbarkeiten relativ entspannt umzugehen.<\/p>\n<p>Von Epikur habe ich erfahren, wie bedeut\u00adsam es ist, zu akzeptieren, dass das Leben nun wirklich nicht nur aus Vergn\u00fcgen be\u00adsteht, und man trotzdem Freude haben kann und sollte. Einer der beiden hiesigen Tauchguides hatte am Sonntag noch nichts von seiner Mutter und seiner Schwester aus Palu geh\u00f6rt. Auf Fotos erkannte er die Stelle, wo einst ihre H\u00e4user standen. Halb wahnsinnig vor Schmerz und Kummer ist er nach Palu aufgebrochen. Ihm wird Epikers Spruch im Moment sicher kaum weiterhelfen. M\u00f6glicherweise wird er ihn sogar als extrem zynisch empfinden. Wir hoffen, dass er und alle anderen vom Erdbeben Betroffenen zumindest irgendwann wieder Freude finden.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den bisher ungez\u00e4hlten tragischen Schicksalen rund um Palu, geht es uns hier extrem gut. Wobei das vergleichsweise auch sehr sehr sehr einfach ist. Unser h\u00fcbsches Bungalow mit Ausblick auf Sonnenunterg\u00e4nge im Meer steht nach wie vor. Die H\u00e4ngematte auf der Veranda teilen wir uns im Schichtdienst. Im Laufe des Tages schnorcheln oder tauchen wir ein wenig. Uns f\u00e4llt es also vergleichsweise extrem leicht, das Beste daraus zu machen. Am morgigen Donnerstag (4.10.) holt uns ein Boot von den Togians Richtung Ampana ab. Dort gibt\u2019s Wlan und Telefonnetz. Dann sehen wir weiter.<\/p>\n<p>Ein Schweizer namens Alex, der mit seiner Lebensgef\u00e4hrtin Alina auf Weltreise ist und mit uns hier die letzten Tage verbracht hat, meinte gerade angesichts unserer vergleichsweise \u00e4u\u00dferst entspannten Lage in diesem wunderbaren, schweizer Akzent: \u201eImmer sch\u00f6n geschmeidig bleiben.\u201c Recht hat er.<\/p>\n<p>Ich werde Alex in meine Philosophenliste mit aufnehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin ja u.a. ein staatlich gepr\u00fcfter Philosoph, also tats\u00e4chlich jetzt, kein Witz. Nat\u00fcrlich war da w\u00e4hrend des Studiums auch so manche Synapsenwichserei bei. Dennoch, es hilft zuweilen sich ein wenig in die antiken Klassiker zu vertiefen. 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