{"id":314,"date":"2010-11-01T20:33:30","date_gmt":"2010-11-01T18:33:30","guid":{"rendered":"http:\/\/beateschmitz.wordpress.com\/?p=287"},"modified":"2024-09-21T13:33:55","modified_gmt":"2024-09-21T11:33:55","slug":"stadt-mit-hatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.all-about-schmitz.de\/wordpress\/blog\/stadt-mit-hatz\/","title":{"rendered":"Stadt mit H\u00e4tz"},"content":{"rendered":"<p>Ich komme aus einer eher unbekannten Ecke Deutschlands. Bin keine Schw\u00e4bin, die Ecke in der ich geboren wurde nennt man Hohenlohe oder wer\u2018s ganz genau wissen m\u00f6chte Hohenlohe-Franken. Ich assoziiere mit Dialekt und Landschaft schon \u201eHeimatgef\u00fchle\u201c aber alle Emotionen sind in dieser Gegend eher introvertiert und leise. Bescheiden trifft es vielleicht am Ehesten. Hohenloher sein ist nichts was weit \u00fcber die Grenzen des Landstriches hinaus kommuniziert w\u00fcrde, diese Identit\u00e4t kann man gut neben anderen Identit\u00e4ten haben ohne in irgendeinen Wahrnehmungskonflikt zu geraten. Kennt ja eh keiner.<\/p>\n<p>Ganz anders ist das in K\u00f6ln. Vor 11 Jahren als ich mich zuerst in einen K\u00f6lner und dann auch in Leute und Stadt verliebte \u2013 war das gelinde gesagt ein Kulturschock. Wenn ich nach Laos oder nach Kambodscha reise tue ich das wegen der anderen Kultur und rechne auch damit. Aber damals als ich das eine oder andere Wochenende oder auch mehr da verbrachte \u2013 war das unerwartet, fremd und zun\u00e4chst auch nicht immer einfach. Ich erinnere mich auch noch sehr gut an meine ersten Stra\u00dfenbahnfahrten. Am Anfang dachte ich dar\u00fcber nach, ob man mir vielleicht irgendwie ansieht, dass ich fremd in der Stadt bin. Oder ich irgendwie immer ausgerechnet in den Wagen gerate in dem die Menschen sitzen die jeden anquatschen. 11 Jahre und viele Besuche sp\u00e4ter w\u00fcrde ich es fast vermissen wenn mir nicht irgendeiner ein Gespr\u00e4ch dr\u00fcckt. Man kann auch selten vom \u00c4u\u00dferen der Menschen auf die Gespr\u00e4chsqualit\u00e4t schlie\u00dfen. Die Themen reichen von der Marketing- und Vertriebsstrategie von bio-Superm\u00e4rkten bis hin zu erwartungskonformeren Themen. Zum Beispiel der Performance des FC. F\u00fcr einen K\u00f6lner ein K\u00fcrzel das notfalls f\u00fcr alles steht was die Stadt ausmacht.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu meinen ersten Begegnungen hier. Als ich das erste Mal auf J\u00f6rgs Familie traf war mir wohl sehr deutlich anzumerken, dass mir das alles ungewohnt war. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus \u2013 und hab dar\u00fcber das Reden vernachl\u00e4ssigt. Ein wortkarger Stamm halt die Schwaben. Schwabe bin ich nach wie vor f\u00fcr die K\u00f6lner, wobei man mir hoch anrechnet, dass man das angeblich nicht h\u00f6rt. Ich belasse es auch bei dieser Bezeichnung. Das \u00e4ndert nichts &#8211; mehr Differenzierung ist auch nicht sinnvoll. Trotzdem wurde ich schneller integriert als ich gucken konnte. Eine typische K\u00f6ln-Kompetenz: Jeder \u201eJeck ist anders\u201c.<\/p>\n<p>J\u00f6rgs Familie k\u00f6nnte schon als Vorbild f\u00fcr eine Soap herhalten. J\u00f6rg ist Einzelkind. Aber das f\u00e4llt kaum auf wenn er zuhause ist. Er hat n\u00e4mlich zwei Kusinen. K\u00f6nnten auch seine Schwestern sein. Und es gibt das Schmitz-Haus. Bis vor ein paar Jahren noch war sogar eine Schmitz-Leuchtreklame aus den 60-igern dort angebracht. Das Firmenschild von Tante B\u00e4rbels Kurzwarenladen. In diesem Schmitz-Haus wohnen 90 Prozent der Familie. In B\u00e4rbel und Dieters K\u00fcche findet immer das statt, was sich wie eine Fernsehserie anf\u00fchlt. Es gibt Kaffee und Kuchen. Nach Familienbrauch den Kaffee m\u00f6glichst ohne Kaffeel\u00f6ffel. Oft sitzen am Anfang 4 Leute da. Kurz nachdem gekl\u00e4rt ist wer Kaffee trinkt und wer nicht \u2013 schellt es das erste Mal. Meist Felix oder Moritz. Selten beide gleichzeitig. In der K\u00fcche wird w\u00e4hrenddessen erz\u00e4hlt was das Zeuch h\u00e4lt. Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten. Auch wenn ich in den 80ern mal eine BAP-Zeit hatte. Mittlerweile muss man mir selten was erkl\u00e4ren. Und ich komme auch das eine oder andere Mal zu Wort. Selten finden dort am K\u00fcchentisch nur zwei Unterhaltungen gleichzeitig statt. Wenn wir gehen waren irgendwann mal alle aus dem Haus kurz am Tisch.<\/p>\n<p>Ja und v\u00f6llig integriert bin ich, seit ich Karneval entdeckt habe. Nat\u00fcrlich kannte ich das auch von zuhause. Zumindest theoretisch. Am Anfang hab ich das noch sehr touristisch begriffen. Mal Rosenmontagszug, mal der 11. im Elften. Kneipenkarneval so oder so. Am liebsten mag ich die k\u00f6lschen Lieder die dabei immer wieder gemeinsam geschmettert werden. \u00dcbrigens auch bei jeder Familienfeier. Na, auf jeden Fall h\u00e4tte man mir meine Begeisterung f\u00fcr K\u00f6ln, Karneval und vor allem sein sentimentales Liedgut nicht ohne weiteres zugetraut. Umso mehr freue ich mich auch dieses Mal auf das Karnevalswochenende mit Mottoball. Ich erfahre das Motto sobald es bekannt ist. Damit ich mir dann das Hirn ausrenken kann \u2013 \u00a0\u201eals was\u201c ich gehe. H\u00f6hepunkt war mal mein Quallen-Outfit. Originell aber unpraktisch und zu warm.<\/p>\n<p>So jetzt bin ich aber gewaltig \u201eabgeschwiffen\u201c. Ich wollte ja vor allem auf die emotionale Seite der K\u00f6ln-Einwohner kommen. Das Liedgut mit viel Heimatbesoffenheit und schr\u00e4gem Patriotismus ist nur ein Indiz. Ein weiteres typtisches Ph\u00e4nomen ist das nur schwer erkl\u00e4rbare Verh\u00e4ltnis des K\u00f6lners zum ortsans\u00e4ssigen Fu\u00dfballverein mit dem Gei\u00dfbock im Wappen. Und dort ist man in den letzten Jahren ja nicht unbedingt vom Erfolg verw\u00f6hnt. Schon deshalb ist das Verh\u00e4ltnis des Fans zur <a href=\"http:\/\/www.werbebock.de\/stimmungsbaender\/index.html\">FC-Hymne<\/a> mit einer Art Glaubensbekenntnis oder Mantra gut zu vergleichen. Auf jeden Fall geh\u00f6rt der musikalische Treueschwur \u2013 gesungen von einem ausverkauften Stadion &#8211; zu den K\u00f6ln-Erlebnissen der ganz besonderen Art. Ganz egal wie das Spiel ausgeht, und ob man was davon versteht oder nicht. Den Anfang eines jeden Heimspiels mit der FC-Hymne, den vergisst man so schnell nicht. Hat was von Kathedrale und Gottesdienst, wenn der Stadionsprecher ansagt: \u201e .. bitte erheben Sie sich von Ihren Pl\u00e4tzen f\u00fcr die FC-Hymne. Dagegen verblasst sogar der Schmunzler beim Begr\u00fc\u00dfen der gegnerischen Mannschaft : \u201e Herzlich willkommen in der sch\u00f6nsten Stadt Deutschlands\u201c.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: revert;\">So ist jeder K\u00f6ln-Besuch zwar auch anstrengend, da jeder mal besucht werden muss \u2013 aber eben auch sch\u00f6n. Weil was f\u00fcrs H\u00e4tz. Und ich kann dann schon verstehen warum J\u00f6rg ab und zu mal ein bisschen Heimweh hat.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich komme aus einer eher unbekannten Ecke Deutschlands. Bin keine Schw\u00e4bin, die Ecke in der ich geboren wurde nennt man Hohenlohe oder wer\u2018s ganz genau wissen m\u00f6chte Hohenlohe-Franken. Ich assoziiere mit Dialekt und Landschaft schon \u201eHeimatgef\u00fchle\u201c aber alle Emotionen sind in dieser Gegend eher introvertiert und leise. Bescheiden trifft es vielleicht am Ehesten. 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