Amme oder Krankenschwester?

Amme oder Krankenschwester?

Ähnlichkeiten wären dem Zufall geschuldet. Es geht um eine weitere Tierart, die wir noch nicht in ihrer natürlichen Umgebung gesehen haben. Heute im Angebot: Ammenhaie.

Im englischen auch Nurseshark. Wie immer gibt es gleich ein paar Theorien, wie der Fisch zu seinem Namen kam. Am Besten gefällt mir die Theorie, dass er so heißt, weil das Geräusch, mit dem er seine Beute am Stück einsaugt, so klingt, als ob ein Baby an der Flasche nuckelt.

Nachdem ich mich grob informiert habe, dass die seltsam benannten Meeresbewohner als eher „träge“ beschrieben werden, und mir mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in den saftigen Schinken beißen werden, organisiert die Reiseleitung einen halbtägigen Ausflug mit dem schnittigen Motorboot „Carlos“.

Möglicherweise hat der Kapitän noch keine Liebste, oder will sich nicht für ewig festlegen, auf jeden Fall heißt er, wie ihr vielleicht schon ahnt, wie sein Boot. Carlos. Unterstützt wird er von Kollege Darwin. Und dann geht sie auch schon los die wilde Fahrt.

Es ist nicht unser erster Schnorchelausflug, aber nach langer Zeit endlich mal wieder. Trotzdem hab ich Respekt vor den Ein- und Ausstiegen. Und schwankende Boote mag ich sowieso gar nicht. Aber alles geht gut, und gleich der erste Stop ist bei einer Kolonie Ammenhaien und ihren Kumpels den Kuschelrochen. Vermutlich haben die hier einen zweiten Job angenommen. Weil auch hier werden sie für ihr Erscheinen mit kleinen Fischgeschenken belohnt. Ich will auch gar nicht mit dem moralischen Umweltzeigefinger fuchteln, wir sind ja nicht die Entdecker der Welt, sondern Touristen, die für ihr Geld eine gewisse Sicherheit haben wollen, dass man die versprochenen Tiere auch antrifft.

Und dann geht es flott. Wie die Fahrt dorthin. Vom Boot geplumpst stehe. ich sofort inmitten eines Schwarms von Ammenhaien, die gar nicht so träge um uns rumschwimmen. Möglicherweise habe ich ein wenig uncool gejuchzt oder war auch einfach nur ergriffen.

Nein, ich hatte keine Angst. Respekt, ja! Die samtigbraunen Mitglieder der Haifamilie zeigen zumindest keine Zähne. Mit ihren aus dem Maul hängenden „Barteln“ sehen sie auch nicht besonders gefährlich aus. Sie sind zwar etwa 1,5 Meter lang, aber durch ihr verspieltes Rumschwimmen finde ich sie nicht bedrohlich.

Sie weichen auch aus und gleiten elegant an uns vorbei. Einmal gerate ich aus Versehen etwas in den Tumult um einen Einsaug-Fisch, und komme in Tuchfühlung. Aber Einsaugen können Sie mich nun wirklich nicht. Erstaunlicherweiise fühlen sich auch die Ammenhaie überhaupt nicht fischig an. Eher wie ein rauhes, warmes Samtkissen.

Wir befinden uns hier in der Shark Ray Alley vor der Küste von Belize am zweitgrößten Riff der Welt. Größer ist nur das Barrier Reef vor der Ostküste von Australien. Gemeinsam haben Sie natürlich das Problem, dass überall die Wassertemperatur ansteigt, und damit die Korallenriffe ausbleichen und die Artenvielfalt der Mitbewohner sinkt. Wir sehen bei den nächsten Schnorchelstops zwar viele kleinere Fische, aber die Korallen sehen nicht sehr gesund aus.

Das, zusammen mit dieser fiesen Braunalgenplage an den Stränden, deren Ursache auch die steigende Wärme durch den Klimawandel ist, machen mich echt traurig und wütend. Und ja, ich bin Teil des Problems. Davon spricht mich auch keine Baumspende der Welt frei.

Weiter gings. Jetzt durften wir Flossen anziehen und von Carlos angeführt durchs Riff schnorcheln. Mir fällt eines meiner allerersten Schnorchelerlebnisse ein. Ein Korallenriff nicht weit vom Steg eines Hotels in Soma Bay Ägypten. Wasser war einiges frischer, es war Februar und noch heute messe ich alles daran, weil das war wie mitten in einem Aquarium.

Aber wir sehen verschiedene Parrotfische, und kleine elektrisch-blaue „blueheaded.. irgendwas“. Carlos taucht immer wieder auf und brüllt die Namen übers Wasser. Aber schnorcheln und schauen ist viel wichtiger. Es gibt nichts beruhigenderes als das Gluckern des Wassers und den eigenen Atem in der Schnorchelmaske zu hören und dabei den Blick im türkisblauen Wasser schweifen zu lassen. Bin also nicht nur Team „Städtereisen“ sondern auch „Team gemütlich vor sich hinschnorcheln und kucken“, wenn ich es mal unfallfrei ins Wasser geschafft habe.

Unser Tripp dauert so insgesamt etwa 4 Stunden und der krönende Abschluss ist die Besichtigung der Tarpone an der Westseite unserer Insel. Jörg hat schon etwas überrascht geschaut, als der ängstlichere Teil unserer Familie sofort „hier“ geschrien, und den Minifisch korrekt übers Wasser gehalten hat. Für ein gutes Video machen wir doch fast alles ;-)

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