Mariachi und Tacos

Mariachi und Tacos

Die Überschrift spannt den kulturellen Bogen nicht weit von zwei gut bekannten Klischees entfernt. Wer uns kennt weiß, dass wir auch davor keine Angst haben.

Dass wir an Taccos nicht vorbeikommen war eh klar, aber dass uns die erste Mariachi Band schon am ersten Abend im Strandhotel von Cancun aufgelauert hat, haben wir bisher nicht erwähnt. Drei mittelalte Herren haben für die Hotelgäste altbekannte lateinamerikanische Gassenhauer intoniert. Wichtigster Bestandteil einer Mariachi Band ist neben den klischeehaften Schnäuzern, dass mindestens einer der meist mit Saiteninstrumenten bewaffneten Mitstreiter, über einen sogenannten Schmetter-Tenor verfügt.

Als ich gestern nachmittag gemini nach einer Option für die Abendgestaltung gefragt habe, war einer der Vorschläge tatsächlich das Aufsuchen der Plaza Garibaldi. Dort ist das Zentrum der Mariachi Bands in Mexico City – und auf dem Platz und den Lokalen drumrum ist jeden Abend Mariachi Time vom Feinsten. Auch Montags. Nachdem mir die Beine schon wehtaten, dachte ich, ja komm, das klingt doch nach ner Ablenkung mit anderen Schmerzen.

Empfohlen wurde mir ein Lokal namens Salon Tenampa. Am Rande der Altstadt. Also gut. Nach einem ruhigen Nachmittag und einem ersten Besuch einer Taqueria, ging es durch den Abendverkehr zur Pilgerstätte für Mariachi Fans. Weil der Abendverkehr sich noch schlimmer anfühlt als der Mittagsverkehr, sind wir erst gegen 20 Uhr vor Ort. Aber ist alles noch verhalten. Auf dem Platz stehen wirklich einige Musiker (selten unter 50) und quatschen oder spielen abwartend vor sich hin.

Wir finden den Salon Tenampa sofort, und nach einem Rundgang setzen wir uns in eine Nische. Es dauert auch nicht lange bis am Nachbartisch eine Mariachi Band mit mindestens einem Dutzend Musikern aufmarschiert. Die Jungs am Tisch haben sich wohl zu den zwei Flaschen Tequila noch drei Songs bestellt.

Die akkustische Hölle bricht los, der Knödeltenor steht direkt am Tisch und intoniert in die Gesichter der Liedwünscher, mir unbekannte Weisen. Äußerst leidenschaftlich. Und ich möchte da nicht direkt davor sitzen. Auch dass die Instrumente von hinten ab und zu so klingen, als könnten sie sich gegenseitig nicht hören, wundert mich bei dem Radau nicht. Der Tisch singt zu mindest teilweise aus voller Kehle mit.

Ganz sicher ist es eine grandiose Show und macht auch uns gute Laune, so dass unser Cantarito cuarta noch besser schmeckt. Hab euch mal ein Rezept für die Zubereitung von 20 Litern verlinkt. Könnte sein, dass es das auch bald im Bahnhofsquartier in Schwäbisch Hall gibt.

Bei der Nachbereitung auf dem Weg nachhause, werden schon wieder sehr eindeutige Parallelen zu Karneval und kölschem Liedgut gezogen. Die gemeinsame Freude, der jeweils Einheimischen, am Mitsingen von Liedern rund um Corazon (Hätz) und Sunnesching (Sonnenschein), ist schon sehr auffällig.

Musik spielt hier sowieso eine allgegenwärtige Rolle. Sie ist irgendwie überall, und auch unser Taxifahrer auf dem Heimweg enttäuscht uns nicht. Er ist vermutlich Mitte Zwanzig. Fan einer japanischen Anime Figur namens „Honami Ichinose„, die als 3D Led Lampe an der Windschutzscheibe seines beigen VW Vento steht. Und als musikalischen Kontrapunkt hört und singt er sehr schmalzig klingende Songs von Juan Casaos mit. Ich mag schräg. Besser könnte der Abend nicht ausklingen.