Sonntag wird gefeiert.

Sonntag wird gefeiert.

Es ist Sonntag. Wir sind um 5 Uhr wach. Eigentlich hat eher Jörg beschlossen, dass er wach ist. Der Jetlag lässt grüßen. Heute ist der erste Tag mit Kulturprogramm. Das Museo Nacional de Antropología stand, nach einem exzellenten Frühstück beim Nachbarn Café Milou, auf dem Plan. Tageskarte im Museum für Nicht-Mexikaner war gebucht. Am Sonntag ist hier nämlich in Museen freier Eintritt. Dementsprechend viel los war auch.

Das Museum aus den 60ern ist riesig, berühmt vor allem für seinen „Sonnenstein“ und unzählige Exponate aus verschiedenen Landesteilen. Wir lassen uns treiben. Schauen uns die Entwicklung vom Affen zu den ersten Menschen an und landen dann sehr schnell bei den berühmten Dingen, die hier bei Ausgrabungen rund um den größten Platz vor der Kathedrale und Nationalpalast (Zócalo) gefunden wurden.

„Da die moderne Stadt direkt auf den Trümmern der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán erbaut wurde, kamen viele Stücke bei Bauarbeiten oder gezielten Ausgrabungen rund um den Zócalo ans Licht.“

Wir bewundern gerade den riesigen Piedra del Sol als sich eindeutig folkloristisches Treiben akkustisch ankündigt. Ich habe keine Ahnung warum, aber eine etwa 50 Personen starke Gruppe zelebriert inbrünstig und lautstark, mit Tröten und Schellen, ihre eigene Huldigung der ausgestellten Überreste vergangener Kulturen.

Mexiko City ist schon wirklich riesig – und wir bewegen uns hier meistens über längere Strecken mit der segensreichen Erfindung von uber durch die Weltstadt. Maximal bequem und oft günstiger als ein Snack zu haben. Unser nächstes Ziel ist das historische Zentrum. In meiner Erinnerung der riesige Platz Zócalo mit der barocken breiten Kathedrale im Hintergrund. Den kennt fast jeder und zwar von:
Achtung Erklärung von gemini zusammengefasst:

Du kennst den Zócalo mit hoher Wahrscheinlichkeit aus James Bond: Spectre: Die berühmte Eröffnungsszene mit der Verfolgungsjagd per Hubschrauber während einer (für den Film erfundenen) „Tag der Toten“-Parade wurde genau hier gedreht. Der Erfolg des Films war so groß, dass die Stadt danach beschloss, tatsächlich jedes Jahr eine solche Parade am Zócalo abzuhalten.

Wir folgen erst noch einem Tipp von instagram und trinken einen Kakao im Café Finca Don Profirio das im 8. Stock des Sears-Kaufhauses einen wunderbaren Ausblick auf den gegenüberliegende Palacio de Bellas Artes bietet.

So gestärkt stürzen wir uns ins Gewühl, das uns auf einer breiten Einkaufsstraße bis auf den Platz führt. Links und rechts der Straße stehen oft unter einem Regen/Sonnenschirm Anbieter irgendwelcher Dienstleistungsbetriebe wie Restaurants und ähnlichem. Die Angebote richten sich ausschließlich an spanisch Sprechende. Musik dringt aus den Läden, und den Rest gibt mir persönlich dann die nächste engagierte Truppe, die wie eine Art Wanderzirkus, verkleidet als Tiere und Harlekine, auf Stelzen mit Trompete und Mikro durch die Straßen zieht. Vielleicht bin ich einfach schon zu müde – oder mir fehlt der angeborene Zugang zu lautstarkem, extrovertiertem Gruppenspaß auf der Straße. Jörg ist genau das Zielpublikum, und er filmt und freut sich. Das freut mich dann auch, und ich versuche ihn dabei möglichst nicht aus dem Blick zu verlieren.

Am Ende erreichen wir den Platz, der leider nicht in seiner schieren Größe zu erkennen ist. Es stehen vier bierzeltgroße Überdachungen darauf. Hier geht es gehörschädigend um ein Festival mit dem Hintergrund der verschiedenen indogenen Ethnien. Kleine Mädchen sprechen engagiert ,und in einer Frequenz die meinen Ohren nicht gut tut, in ein sehr aufgedrehtes Mikrofon. Es klingt sehr meinungsstark und überzeugend. Auch dazu wurde der Platz in der Vergangenheit immer genutzt. Für Demonstrationen und kämpferische Feiern aller Art.

Unter den erwähnten Überdachungen geht es vor allem um das leibliche Wohl. Es werden an vielen Ständen allerlei Speisen zubereitet. Vermutlich geht es auch hier um die Vielfalt der Ethnien die Mexiko zusammen ausmachen.

Das innere der Kathedrale, die die älteste Kirche in Amerika ist, rettet mich ein wenig. Es ist trotz vieler Leute angenehm ruhig und bietet auch ausreichend Sitzplätze zum Ausruhen und um den Blick über das mexikanische Barock schweifen zu lassen. Geld und Gold waren kein Problem.

Dabei sinniere ich, dass mich schon etliche Kirchen (ausschließlich das Gebäude gemeint) gerettet haben.

Die Größe der Catedral Metropolitana reicht an die des Kölner Doms nicht heran. Auch die Länge der Kölner Bauzeit von 600 Jahren kann sie mit ihren 250 Jahren nicht toppen. Aber beide Kirchen sind auf den Trümmern von Tempeln gebaut und das Wahrzeichen ihrer Stadt.

Dankt mir für so viel Informationen. Ich danke Gemini, das so geduldig meine Fragen beantwortet. Und ich danke dem Bett auf dem ich erschöpft liegen kann während ich bei lautem Gewitter diese Zeilen schreibe.



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