Ein Nachtrag: Fridas Haus

Ein Nachtrag: Fridas Haus

Manche Tage sind so ereignisreich, dass sie nicht in einen Blogbeitrag passen. Schon wieder. Es ist unser letzter Tag in Mexiko City (15. April). Leider. Auf dem Programm steht heute Kultur. Deshalb bin schon wieder ich dran.

Wobei ich mich als erstes als Banause zu Erkennen geben muss. Frida Kahlo und ihre Geschichte oder ihr Werk ging irgendwie an mir vorbei. Heute sage ich leider. Hätte mich gerne für sie interessiert bevor ihre Selbstporträts ikonische Designvorlage für Blumentöpfe und Salzstreuer wurden. Oder ihr Porträt mit Monobraue für folkloristisch stolz-kämpferischen Feminismus als Brand genutzt wurde. Ich hätte noch nicht mal sagen können, dass Sie Mexikanerin war. Bei Günter Jauch hätte ich eher auf Argentinien getippt. Aber sei es drum. Ich hole das ja gerade exzessiv nach.

So richtig abgetaucht in ihr Leben bin ich erst durch einen fiktionalen Roman, der als einzige schnelle Vorbereitung für unser kurzfristig aktualisiertes Urlaubsziel diente. Selbstverständlich hab ich nebenher beim Lesen immer gecheckt was wirklich passiert ist. Und bin jetzt ausreichend im Bilde. Wer mehr wissen will, bitte hier entlang.

Noch besser einfühlen kann man sich natürlich in ihrem ehemaligen Wohnhaus. Der Casa Azul. Das blaue Haus. Es ist wirklich leuchtend blau und steht im Stadtteil Coyoacán, einem sehr gediegenen Stadtteil. Was man hier immer an den Bäumen in den Straßen erkennen kann.

Man muss lange vorher Eintrittskarten für einen bestimmten Zeitraum buchen, denn das zum Museum umgewidmete Haus ist nicht so riesig wie der Ansturm darauf. Der Besuch des Wohnhauses von Frida steht fast auf jeder Empfehlungsliste für Mexico City. Der Frauenanteil ist schon ein bisschen über dem Schnitt, sicher auch wegen der Frida Kahlo Blumentöpfe.

Tritt man durch das Tor ins Haus empfängt einen schon der Patio mit seinem leuchtend rotbemalten Boden und der üppigen Vegetation. In diesem Innenhof leuchtet irgendwie alles. Es sind die klaren kräftigen Farben. Ein wunderschöner atmosphärischer Ort. Ich war so gebannt, dass ich tatsächlich nur zwei Fotos vom Innenhof gemacht habe.

Ab hier schreibe ich am chilligen Dschungelpool in Tikal, Guatemala weiter, wo wir seit vorgestern sind.

Ich bin mittlerweile fast am Ende des Buchs angelangt, und zögere es hiermit noch ein wenig hinaus.

Für diesen speziellen Fall würde ich jedem empfehlen, Buchlektüre und Realität zu mischen. Auch wenn das in der Vergangenheit manchmal zu eher ernüchternden Erlebnissen geführt hat. Ich erwähne nur die Fontana dei Quattro Fiumi auf der Piazza Navona in Rom, die einfach nicht tief genug ist um einen Kardinal aus den Illuminati zu ertränken. Auch wenn Dan Brown uns das so erzählt hat.

Aber im Fall von „Fridas Köchin“ spielt die Casa Azul eine sehr zentrale Rolle, und Buch und Realität machen den Besuch noch intensiver. Das blaue Haus mit dem wunderschönen Patio ist der Rückzugsort von Frida Kahlo. Sie lebt, leidet und arbeitet dort ihr ganzes Leben. Sie richtet es ein und gestaltet es. Das fast schmerzhaft leuchtende Blau, mit den blutroten Fußböden und der zitronengelben Küche ist Fridas Welt.

„Manchmal braucht es eben einen fiktiven Roman und einen echten Garten in Coyoacán, um eine Ikone unter all den Salzstreuern wiederzufinden. Ich lasse Frida und ihre Köchin jetzt in ihrem blauen Paradies zurück und nehme die Farben als Proviant mit nachhause. Also in ein paar Wochen.

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