Sushi adé, Tacos olé

Sushi adé, Tacos olé

Beate bezeichnet mich gerne mal als „Mann des Wortes“. Von daher geht diese ebenso unfassbar kreative, poetische, ja nahezu brillante Überschrift natürlich auf mich. Irgendwas mit „Salsa statt Sakura“ oder „Mezcal statt Matcha“ befand sich ebenfalls in der Verlosung. Und nein, für sowas benötigt mein Hirn keine KI. „Erschreckenderweise“, wie meine Frau an dieser Stelle (möglicherweise nicht ganz zu unrecht) anmerkt. Doch der Reihe nach:

Eigentlich war alles für Japan und Taiwan angerichtet. Wir hatten uns monatelang auf die Kirschblüte im April gefreut, die legendäre Sakura. Im Geiste sahen wir uns bereits unter von den Bäumen sanft herabfallenden rosa Blütenblättern spazieren. Romantik-Level 10/10. Unsere Synapsen befanden sich quasi schon im Zen-Sakura-Modus. 

Doch dann grätschte die Weltpolitik dazwischen. Mit Emirates via Dubai hatten wir gebucht. Dumm gelaufen bzw. gebucht, also: Abbruch, Storno, nix mit Kirschblüten. 

Japan-Drill-Camp

Dabei waren wir bestens vorbereitet, wochenlanges Japan-Drill-Camp inklusive. Ein selbst entwickeltes Training zur Stärkung der Nacken- und Rückenmuskulatur (Stichwort: Verbeugungen) sowie ein hochintensiver Schuhe-An-Auszieh-Parcours. Ziel: unter Zeitdruck im fliegenden Wechsel von fest geschnürten Schuhen in millimetergenau platzierte Gäste-Schlappen zu gleiten und wieder zurück und wieder hin und wieder … Natürlich ohne Hände. Vergebens. Alles auf null.

Eine Alternative musste schnell her. Sonderschichten an der Urlaubs-Recherche-Front aka Wohnzimmersofa. #SchmitzeonTour-Kenner wissen: Wir sind ein eingespieltes Team. Unsere Reiseplanung folgt einer bewährten Choreografie: Beate liefert die Instagram-Recherche und ich bastle die Tour zusammen.

Insta-Reels Ping-Pong

Wir spielten Insta-Reels Ping-Pong, schickten uns via DM gegenseitig zahllose Ideen hin und her, ließen die Kollegen ChatGPT und Gemini glühen, um diverse Möglichkeiten schnell durchzuexerzieren. 

Das Ergebnis: Sombreros statt Kimonos. 

Mexiko. Guatemala. Belize. 

Wir tauschen nanosekundengenaue japanische Pünktlichkeit gegen „Ahorita“, die zentralamerikanische Variante vom kölschen „küste hück nit, küste morje“ („kommst du heute nicht, kommst du morgen“). 

Der Startpunkt unserer Reise: Cancún. Eine Touri-Parallelwelt voller All-inclusive Hotelburgen, sehr sehr viele Amis, Poolbar, Fiesta und dem durchdringenden Duft von Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50+. Egal, erst mal zwei Nächte im Hotel mit Balkonblick auf Sandstand und Meer. Runterkommen nach dem langen Hinflug. Ankommen. Klimaanlage wertschätzen.

Weiter nach Mexico City. Vier Nächte. Genug Zeit, um uns irgendwo zwischen Streetfood, Verkehrsinfarkt, Teotihuacán und Frida-Kahlo-Museum zu verlieren. Im besten Fall freiwillig.

Indiana Jones Vibes

Vom Großstadtdschungel geht’s für drei Tage tief in den richtigen Dschungel. Genauer zu den Maya Ruinen in Tikal, Guatemala. Indiana Jones Vibes. Laut der Beschreibung unserer gleich neben den Ruinen von Tikal liegenden Unterkunft, wird dies der erste Ort all unserer Reisen sein, an dem wir früh morgens von Brüllaffen geweckt werden. 

Es folgt ein Tag in/auf dem Insel-Dörfchen Flores. Blick auf einen See, viele farbenfrohe Häuschen und damit sicher ausreichend Material für das eine oder andere Insta-Reel.

Dann weiter mit dem Kontrastprogramm: Mit Bus und Fähre nach Caye Caulker in Belize. Eine Insel, auf der angeblich „go slow“ kein Spruch, sondern Gesetz ist. Keine Autos. Nur Fahrräder und Badelatschen. Chill-Zone. Im türkisfarbenen Wasser wollen wir mit Ammenhaien und Rochen Schnorcheln. 

Hier noch ein Schmitz-Service für mögliche „Wer wird Millionär?“ o.ä. Teilnehmenden: dort befindet sich das zweitgrößte Korallenriff der Welt – nach dem Great Barrier Reef in Australien (gern geschehen, wir nehmen 10 % Servicegebühren).

Plan- und Ahnungslosigkeit

Danach haben wir noch neun volle Tage, bevor es am 4. Mai zurück von Cancún nach Frankfurt geht bzw. fliegt. Wie wir die Zeit verbringen? Wir wissen es noch nicht. Wirklich. Nada. Wir gönnen uns eine großzügige Phase voller Plan- und Ahnungslosigkeit. „Ahorita“ als Teil des Reiseplans.

Um es in LinkedIn-Blubber marketingtechnisch aufzublasen: 

Ahorita als der ultimative disruptive Enabler für Mindful Exploration, der das starre Dogma von Planbarkeit/Pünktlichkeit einer Travel-Experience durch ein agiles High-Performance-Framework für radikale emotionale Resilienz ersetzt. #MindfulExploration #AhoritaStrategy #AgileTravel #HighPerformanceMindset #StrategicResilience #Bullshit

Aber wie dem auch sei, im Zweifel vertieft sich Beate wieder in Instagram und ich stricke uns daraus kurzfristig ein paar Aktivitäten. Wäre ja nicht das erste Mal. Eine Ki-freie, schmitzhirngenerierte Überschrift für die letzten neun Tage habe ich aber schon:

Planung adé, Improvisation olé. 

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